Porsche-Chef greift an
Wiedeking verschickt blaue Briefe

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat trotz der schwierigen Finanzlage seines Unternehmens seine Angriffslust nicht verloren. Er verschickte „blaue Briefe“ an Aufsichtsratsmitglieder, die sich seiner Auffassung nach schädlich für Porsche in der Öffentlichkeit äußern. In diesen ermahnte Wiedeking die Betreffenden, sich an ihre Pflichten als Aufsichtsrat zu erinnern.

STUTTGART. Seinem größten Widersacher, VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, schickte Wendelin Wiedeking nach dessen Auftritt in Sardinien einen Brief, weil Piëch den Wert von Porsche öffentlich in Zweifel stellte und sich kritisch über die Risiken äußerte. Auch IG-Metall-Chef Berthold Huber bekam Post aus Zuffenhausen, in der er zur Zurückhaltung aufgefordert wird. Huber habe als Aufsichtsratsmitglied darauf hingewiesen werden müssen, dass er seine Pflicht verletzt habe, dem Unternehmen nicht zu schaden, sagte ein Porsche-Sprecher dazu.

Es geht um Hubers Reaktion auf die Nachricht, dass Porsche bei der staatlichen Bank KfW einen Kredit beantragen wollte. Huber hatte Anfang Juni öffentlich gefordert, die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch sollten der finanziell angeschlagenen Sportwagenschmiede helfen; die Politik könne nicht alle Unternehmen schützen, die in Schwierigkeiten seien. Der Porsche-Sprecher sagte nun, über die Finanzplanung sei damals in einer Aufsichtsratssitzung diskutiert worden. „Dann geht es einfach nicht – auch wenn man im Hauptberuf IG-Metall-Chef ist –, uns in der Öffentlichkeit diesen Kredit zu verweigern“, sagte der Sprecher.

Wiedeking und Finanzchef Holger Härter seien mit den Briefen als Vorstände ihrer Pflicht nach dem Aktiengesetz nachgekommen. Wiedeking habe sich dabei von seiner juristischen Abteilung beraten lassen. Zudem beschäftigt Porsche die Spitzenkanzlei Freshfields als externen Rechtsberater.

Der hochverschuldete Sportwagenbauer hat inzwischen bei der KfW einen Kredit über 1,75 Mrd. Euro beantragt. Der KfW-Lenkungsausschuss wird voraussichtlich Ende des Monats darüber entscheiden. Laut Porsche hat Wiedeking Huber auf die theoretische Möglichkeit hingewiesen, dass er für mögliche Schäden oder Vermögensnachteile bei einer Ablehnung des Kredits auch persönlich haftbar gemacht werden könnte.

Ein Sprecher von Huber sagte, der IG-Metall-Chef sei über die Tonlage und Art und Weise des Schreibens erbost. In Gewerkschaftskreisen wurde das Schreiben als weiterer Beleg dafür gewertet, dass Wiedeking beim Einstieg bei Volkswagen das politische Fingerspitzengefühl seit Beginn gänzlich fehle.

Die formaljuristische Vorgehensweise des Managers wirkt auch auf Beobachter befremdlich. Statt sich schriftlich zu beschweren, hätte es auch ein Anruf mit Aktennotiz getan. So gelangte sein Schreiben zur „Süddeutschen Zeitung“, die am Donnerstag darüber berichtete.

Huber habe auf das Fax von Wiedeking mit „Verbalattacken“ reagiert, sagte ein Porsche-Sprecher. Ein IG-Metall-Sprecher bestätigte dies. Wiedeking habe das gesunde Unternehmen durch waghalsige Manöver in eine Lage gebracht, in der nun Kredite notwendig seien, um den normalen Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Das sei empörend, soll Huber geantwortet haben. Ein Sprecher betonte, es könne nicht angehen, dass ein Gewerkschaftsvorsitzender angehalten werde, sich zu staatlichen Bürgschaften und Krediten nicht zu äußern.

Bei Porsche müht man sich intensiv um Schadensbegrenzung. „Die Sache ist aus der Welt“, sagte ein Sprecher. Es gebe keinen Streit und habe auch keinen gegeben. Die IG-Metall nimmt Wiedeking seit langem übel, dass er nie akzeptiert hat, dass VW für die Gewerkschaft ein besonderes Unternehmen ist und im Zuge der Übernahme von Volkswagen immer die Macht der IG-Metall in Wolfsburg brechen wollte.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%