Porsche-Chef steht vor dem Aufstieg in neue Dimensionen
Wendelin Wiedeking: Der Sonnenkönig von Zuffenhausen

Zigarrenrauchen zählt zur Leidenschaft vieler Auto-Chefs. Am häufigsten Grund dazu hat Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Und der Westfale macht ausgiebig davon Gebrauch. Der mit 6,5 Mrd. Euro Umsatz relativ kleine Autobauer fährt seit Jahren von Rekord zu Rekord.

STUTTGART. Als der heute 53-Jährige vor 13 Jahren bei Porsche das Ruder übernahm, stand die Zuffenhausener Sportwagenschmiede vor der Pleite. Unter der Ägide des kühlen Rechners wurde Porsche der wohl profitabelste Autohersteller der Welt mit über einer Mrd. Euro Gewinn. Entsprechend mutig ist der Querdenker Wiedeking geworden. Nach dem Erfolg mit dem Geländewagen Cayenne folgt der Angriff auf BMW und Mercedes mit dem neuen viersitzigen Panamera. Das Projekt kostet über eine Mrd. Euro. Beim VW-Einstieg dürften weitere drei Mrd. Euro fällig werden. Das alles zahlt Porsche aus dem Laufenden.

Dass Porsche an solch großen Rädern drehen kann, ist unstrittig das Verdienst des promovierten Diplomingenieurs. Der Duz-Freund von Gerhard Schröder pflegt seine Kontakte und liebt die Provokation. Sei es nun, wenn er die Veröffentlichung von Quartalszahlen oder Vorstandsgehältern verweigert oder Verständnis für Münteferings Kapitalismuskritik äußert. Entsprechend gespalten ist die Resonanz: Sie reicht von „Neunmalkluger“ (FAZ) bis „Wegweiser“ (Börsenzeitung). Dass sich der Vater zweier Kinder mehr vorstellen kann, als noch weitere zwölf Jahre nur Chef eines Sportwagenherstellers zu sein, ist kein Geheimnis. Mit dem VW-Coup hat der derzeit erfolgreichste deutsche Automanager einen ersten Schritt gemacht. Wiedeking wird quasi über Nacht vom Sonnenkönig eines Nischenreichs zu einem der wichtigsten Autochefs. Nichts wird bei VW mehr gehen ohne sein Plazet.

Der Einstieg bei VW soll Wiedekings Idee gewesen sein, die er zuerst mit seinem Aufsichtsratschef Helmut Sihler und nicht mit Ferdinand Piëch geteilt haben soll. Dennoch kann sich Wiedeking der Rückendeckung der Porsche-Familien Piëch und Porsche gewiss sein. Schließlich hat er deren Vermögen um rund elf Mrd. Euro gemehrt.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%