Porsche-Enkel in seiner Lieblingsrolle
Alle Augen auf Piëch

Noch steht die Zukunft von VW-Konzernlenker Bernd Pischetsrieder in den Sternen. Doch schon ab morgen berät der Volkswagen-Aufsichtsrat, wer den Konzern aus der Krise führen soll. An der Top-Personalie zeigt sich, wie die Fronten in Wolfsburg verlaufen. Eine Handelsblatt-Reportage.

WOLFSBURG. Kaum hat die Maschine des South-African-Flugs SA 374 den Boden von Kapstadt am vorvergangenen Samstag berührt, zückt der Passagier auf Sitzplatz 1C sein Handy. Der groß gewachsene Mittvierziger beweist sich als Krisenmanager: Aus Tausenden Kilometern Entfernung folgt einer kurzen Analyse der Flutsituation daheim an den Gestaden der Elbe sofort der praktische Rat an seine Gesprächspartnerin: Wir müssen Präsenz vor Ort zeigen. Kaum 24 Stunden später besichtigt Christian Wulff zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die Folgen der entfesselten Naturgewalt in Hitzacker und Umgebung.

Mit dem Unberechenbaren ist Wulff vertraut. Seit Jahren liefert er sich im VW-Aufsichtsrat einen Kampf mit einem Gegner, der fast noch unberechenbarer ist als die Flut: Ferdinand Piëch.

Schon morgen Abend geht das Duell in die nächste Runde. Das Volkswagen- Kontrollgremium mit Wulff und Piëch trifft sich zu einer gleich zweitägigen Sitzung. Die Agenda ist hoch brisant: Vorstandschef Bernd Pischetsrieder wird zunächst seine jüngsten Sanierungsplanungen präsentieren. Anschließend könnte es unter dem Tagungsordnungspunkt „Vorstandsangelegenheiten“ um die Zukunft des Konzernlenkers gehen.

Pischetsrieders Vertrag läuft im kommenden Jahr aus. Wulff will ihn gemeinsam mit Porsche-Chef Wendelin Wiedeking möglichst schon am Mittwoch verlängern. Piëch indes möchte ihn eigentlich wohl gar nicht neu unterschreiben, sagt das aber nicht und verweist auf den Widerstand der Gewerkschaften. Um es noch komplizierter zu machen: IG-Metall-Vorsitzender Jürgen Peters und VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh wiederum wollen die Zukunft Pischetsrieders an dessen Restrukturierungskonzept knüpfen.

Klar ist: Pischetsrieder muss die Marke VW sanieren, die Fabriken produktiver machen und eine Lösung für die defizitären Komponentenwerke finden. Mindestens 20 000 Stellen sind in Gefahr, nach Meinung von Analysten sogar bis zu 40 000. Doch es ist nicht der drohende Personalabbau, an dem vorexerziert wird, wie die Fronten bei VW verlaufen, sondern die Personalie Pischetsrieder. An ihr zeigt sich, wer der wirkliche Herrscher in Wolfsburg ist: Ferdinand Piëch, 68.

Über Wochen dachten die Kontrolleure Wulff und Wiedeking, die Vertragsverlängerung als reine Formalie abhandeln zu können. Mit den Heckenschüssen aus Salzburg hatten sie nicht gerechnet, obwohl sie Piëch mittlerweile kennen müssten. Einen Piëch lässt man öffentlich nicht als Verlierer aussehen.

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