Industrie
Porsche: Entscheidung am Mittwoch

Vom Käufer zum Übernahmekandidaten: Selten haben sich die Machtverhältnisse bei einem Unternehmenskauf so schnell verschoben. Bereits kommenden Mittwoch soll laut Medienberichten nun darüber entschieden werden, ob die mit Liquiditätsproblemen kämpfende Porsche AG an Volkswagen verkauft werden soll.

HB BERLIN. Die Familien Porsche und Piech wollen einem Magazinbericht zufolge am Mittwoch über einen Verkauf der Porsche AG an Volkswagen entscheiden. Die fünf wichtigsten Vertreter der Familien hätten sich bereits am vergangenen Mittwoch getroffen, berichtete das Magazin „Focus“ am Samstag vorab. Sie hätten sich aber nicht auf eine Lösung der Finanzprobleme bei Porsche einigen können und die Entscheidung um eine Woche vertagt. Der Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück habe massiven Widerstand gegen einen Verkauf angekündigt. Im April hatte es bereits Spekulationen gegeben, VW könne den Sportwagenhersteller kaufen. Ein Porsche-Sprecher hatte das damals als „höchst unrealistische Variante“ bezeichnet.

Porsche sucht angesichts seiner Schuldenlast durch den Volkswagen-Kauf händeringend nach Auswegen. Porsche hat in den vergangenen Jahren seinen VW-Anteil Schritt für Schritt auf knapp 51 Prozent aufgestockt. Der Konzern hat sich den Erwerb der Anteilsmehrheit bei den VW-Stammaktien bisher 23 Mrd. Euro kosten lassen und dafür neben Gewinnen aus Aktientermingeschäften überwiegend Bargeld eingesetzt. Per Ende Januar wies die Porsche-Holding Verbindlichkeiten von 16,2 Mrd. Euro aus. VW ist neben dem angestammten Sportwagengeschäft von Porsche eine gleichberechtigte Tochter in der börsennotierten Porsche-Holding.

Bei der Sitzung vergangenen Mittwoch habe VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech für einen Verkauf der Porsche AG an VW geworben, berichtete „Focus“. Er habe dabei ein Konzept vorgelegt, das VW-Vorstandschef Martin Winterkorn erarbeitet habe. Demnach solle VW die Porsche AG für rund elf Mrd. Euro kaufen. Damit wären die Familien auf einen Schlag schuldenfrei, berichtete das Magazin. Zudem habe Piech vorgeschlagen, sich von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Porsche-Finanzvorstand Holger Härter sofort zu trennen. An deren Stellen sollten Winterkorn und VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch treten.

Wiedeking habe den Familienmitgliedern auf dem Treffen aber ein Alternativkonzept vorgelegt, berichtete das Magazin. Er wolle die Geldprobleme vor allem über eine Kapitalerhöhung lösen. Die Eigentümer sollten demnach die notwendigen Finanzmittel zur Verfügung stellen, um eine Eigenständigkeit Porsches zu bewahren und den Verkauf an VW zu verhindern. Wiedeking habe darüber hinaus seine Pläne aufgegeben, 75 Prozent der VW-Anteile zu erwerben und einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag anzustreben.

Porsche-Betriebsrat Hück habe bei dem Treffen die Familienvertreter scharf angegriffen, berichtete das Magazin. Sie hätten in den vergangenen zehn Jahren dank steigender Unternehmensgewinne 15 Mrd. Euro verdient. Er könne nicht fassen, dass die Gesellschafter nun kein Geld in den Konzern stecken wollten und stattdessen gar einen Verkauf zustimmen würden. Das werde er nicht akzeptieren, sagte Hück dem Magazin zufolge. Sollten die Eigentümer einen Verkauf beschließen, würde sich die Belegschaft umgehend von den Familien distanzieren und mit ganzer Kraft um die Unabhängigkeit ringen.

In Finanzkreisen hatte es im April geheißen, eine großangelegte Vermögensumschichtung wie der Transfer des Sportwagengeschäfts - also der Porsche AG – zu VW sei nicht in Sicht. Keinesfalls würden sich die Familien von ihren Anteilen an der Porsche AG trennen. Es sei aber denkbar, dass die Familien den Verkauf von Vermögenswerten wie etwa der Vertriebsorganisation Porsche Holding GmbH mit einem Umsatz von zuletzt knapp 13 Mrd. Euro erwägen. Die Familien könnten dann eine Kapitalerhöhung bei der Porsche-Holding zeichnen.

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