Porsche in der Krise
Wiedeking kämpft um Machterhalt

Wendelin Wiedeking kämpft um seinen Platz im Geschichtsbuch der Automobilindustrie. Der Porsche-Chef kannte bislang nur die Offensive. In der Defensive, das wird angesichts der lebensbedrohlichen Probleme von Porsche deutlich, offenbart er riesige Schwächen.

STUTTGART/HAMBURG. Noch immer hofft Wendelin Wiedeking auf eine Lösung für die lebensbedrohlichen Probleme von Porsche. Und zwar auf eine Lösung, bei der er das Lenkrad in der Hand behält, berichten Beteiligte. Dazu dienen die in Volkswagen-Kreisen als Ablenkmanöver geltenden Verhandlungen mit potenziellen Investoren. „Das müssten in dieser verfahrenen Situation wahre Porsche-Liebhaber sein, die sich nicht um die Fakten scheren“, heißt es in Wolfsburg.

Wiedeking sucht nach Wegen, um seine Macht zu erhalten. Seit Wochen versucht er, sich von seinem Finanzvorstand Holger Härter zu distanzieren. „Diese Männerfreundschaft besteht nicht mehr“, sagt ein Beobachter. Das Verhältnis des einstigen Porsche-Führungsduos, das lange Zeit als VW-Bezwinger aufgetreten ist, sei zerrüttet, heißt es. Die Möglichkeit, dass Härter zu Gunsten von Wiedeking geopfert wird, halten Konzernkenner allerdings für wenig realistisch. „Wenn Härter weg ist, ist auch Wiedeking weg“, heißt es.

Inzwischen ist klar, warum Wiedekings Gegenspieler Ferdinand Piëch vor zwei Wochen am Rande der VW-Polo-Präsentation auf Sardinien so offen gegen den Porsche-Chef vorgegangen ist: Volkswagens Chefaufseher und Porsche-Erbe wusste längst, wie schlimm es wirklich um Wiedekings Kasse bestellt war. Nur ein Notkredit von Volkswagen in Höhe von 700 Mio. Euro bewahrte den stolzen Sportwagenbauer Ende März vor der Pleite, heißt es in Unternehmenskreisen. Wiedekings Schicksal hing an Piëchs gutem Willen – größer könnte die Demütigung für den selbstbewussten Manager kaum sein.

Den Zorn der Familie handelte sich Wiedeking endgültig mit dem Preis der Rettungsaktion ein: Die Salzburger Porsche-Holding, milliardenschwerer Vertriebsarm der Autodynastie, muss zumindest in Teilen als Sicherheit für die VW-Schulden herhalten. Das Dogma der Porsche-Eigenständigkeit musste gebrochen werden, um Schlimmeres zu verhüten.

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