Porsche kauft sich ein
Jubeltag für Volkswagen

In der Wolfsburger Konzernzentrale dürfte Feierstimmung herrschen. Nicht nur, dass Porsche bei VW einsteigt. Eine Zeitung meldet auch, dass die Entscheidung für den Produktionsstandort des neuen Golf-Geländewagens gefallen ist.

HB/hof/mwb STUTTGART/FRANKFURT. Der Geländewagen namens „Marrakesch“ solle nach Zugeständnissen der Arbeitnehmer nun doch nicht in Portugal, sondern im Stammwerk Wolfsburg gefertigt werden, berichtete die „Bild“-Zeitung am Samstag unter Berufung auf Konzernkreise. Darauf hätten sich Vorstand und Betriebsrat im Grundsatz geeinigt. Die Arbeitnehmerseite habe sich dabei zu „erheblichen Zugeständnissen“ bei den Lohnkosten bereit erklärt. Es ging um 750 Euro, die pro Wagen eingespart werden sollten. Offiziell heißt es, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Die Gespräche würden am Montagnachmittag fortgesetzt, sagte ein VW-Sprecher. Eine Entscheidung werde voraussichtlich am Dienstag veröffentlicht. Gleiches verlautete von der IG Metall. Das Ergebnis gilt als Richtungsentscheidung für eine endgültige Abkehr vom teuren VW-Haustarif.

Mitten in die Verhandlungen platzte die Nachricht, dass der Sportwagenhersteller Porsche die Kontrolle über den Volkswagen-Konzern anstrebt. Zu diesem Zweck will sich Porsche mit 20 Prozent an VW beteiligen, teilte das Unternehmen am Sonntag mit. Der hoch profitable Autobauer würde damit das Land Niedersachsen als größten VW-Anteilseigner ablösen. Porsche begründet sein Engagement mit der industriellen Verzahnung der beiden Autokonzerne. Mit der Beteiligung, für die Porsche voraussichtlich mehr als drei Milliarden Euro zahlen muss, soll der Partner VW vor einer feindlichen Übernahme geschützt werden, teilte Porsche mit. VW-Chef Bernd Pischetsrieder begrüßte die Absicht als Schritt zu einer „stabilen Aktionärsstruktur“. Auch Politiker und die IG Metall äußerten sich positiv und sehen darin eine Chance zum Erhalt von Arbeitsplätzen in Deutschland.

Noch hält Porsche weniger als 5 Prozent der Anteile an Volkswagen. Das Unternehmen hoffe darauf, „schnell“ die Beteiligung wie angekündigt auf 20 Prozent zu erhöhen, sagte am Sonntag ein Sprecher des Sportwagenherstellers. Zur Finanzierung werde auf die vorhandene Liquidität von Porsche zurückgegriffen, eine Kapitalerhöhung sei nicht geplant. Geplant sei, die VW-Aktien aus dem freien Handel zu erwerben. Außer mit Volkswagen selbst werde mit keinem VW-Aktionär gesprochen. Der VW-Konzern hält selbst ein knapp zehnprozentiges Aktienpaket, das zu strategischen Zwecken eingesetzt werden kann. Vorbörslich stiegen die Aktien auf ein neues Drei-Jahres-Hoch von mehr als 53 Euro.

In jüngster Zeit hatten hartnäckige Gerüchte über den Einstieg eines Großinvestors bei VW den Kurs bereits auf 52 Euro getrieben. Als Interessent galt der US-Milliardär Kirk Kerkorian. In Finanzkreisen gilt es als ausgemacht, dass bei einer Zerschlagung von VW schon die Tochter Audi allein mehr wert wäre als der gesamte VW-Konzern.

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