Porsche-Pflichtangebot für VW-Aktien
Dummkopf oder Überzeugungstäter

„Aktionäre sind dumm und frech. Dumm, weil sie ihr Geld anderen Leuten ohne ausreichende Kontrolle anvertrauen, und frech, weil sie Dividenden fordern, also für ihre Dummheit auch noch belohnt werden wollen.“ Carl Fürstenberg wird gerne bemüht, geht es darum, Aktionäre zu charakterisieren. Im Falle von VW sind die Worte des Bankiers aus den 20-ern aktueller denn je.

STUTTGART. Porsche hatte kürzlich seine Beteiligung an VW auf mehr als 30 Prozent aufgestockt und dem Aktiengesetz entsprechend allen freien Aktionären ein Übernahmeangebot gemacht. Allerdings nur zum Schein: Denn Porsche-Chef Wendelin Wiedeking machte keinen Hehl daraus, dass der Sportwagenbauer nur den Buchstaben des Gesetzes Folge leisten wolle und gar kein Interesse habe, sein Angebot aufzustocken. Entsprechend niedrig fiel die Offerte mit 100,92 Euro je Stammaktie und 65,54 Euro je Vorzugspapier aus. Beides deutlich unter dem derzeitigen Aktienkurs. Umso erstaunlicher, dass tatsächlich Anteilseigner verkaufen. Unmittelbar vor Ablauf der Frist am gestrigen Dienstag um Mitternacht wurden Porsche 42 722 VW-Stammaktien und 20 567 Vorzugspapiere zum Kauf angeboten, rund 0,2 Prozent des VW-Aktienkapitals. Die VW-Stämme kosteten am Dienstag 113 Euro. Was mag einen Aktionär bloß dazu bewegen, Porsche eine Stammaktie anzudienen und 12 Euro weniger einzustreichen als an der Börse?

Entweder die betreffenden Personen haben alles nicht so recht verstanden. Oder es handelt sich um Überzeugungstäter, die den Eigentümern von Porsche signalisieren wollen, dass sie die Macht in Wolfsburg komplett übernehmen sollen. Leider fand sich kein Aktionär zu einer Stellungnahme.

Sei es drum. Bei Porsche selbst wissen sie noch nicht so genau, was sie mit den Aktien machen sollen. Aber da die acht bis zehn Millionen Euro für den Rückkauf wohl locker bei Wiedeking im Handschuhfach liegen, dürfte deren Verbleib in Zukunft vernachlässigbar sein. Wahrscheinlich aber haben die „Kleverles“ aus Stuttgart-Zuffenhausen den unverhofften Aktienerwerb gleich mit Profit an das Land Niedersachsen weitergereicht. Das wäre so ein Schnäppchen nach dem Geschmack von Porsche-Finanzchef Holger Härter. Denn am Dienstag kaufte das Land Niedersachsen für 41 Mill. Euro 367 000 VW-Aktien. Das Land will vorbauen, um nach einem Optionsprogramm für Volkswagen-Mitarbeiter auch künftig den eigenen Anteil bei 20 Prozent stabil zu halten. „Verschwendung von Steuergeldern“, findet hingegen Automobil-Professor Ferdinand Dudenhöffer.

Nach ersten Schwierigkeiten funktioniert Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff jetzt wohl nach dem Geschmack von Porsche-Eigner Ferdinand Piëch. Denn gemeinsam verfügen Porsche und das Land über die VW-Mehrheit. Kein Finanzinvestor hat mehr eine Chance. Spätestens aber, wenn das VW-Gesetz mit der Stimmrechtsbegrenzung auf 20 Prozent fällt, hat Porsche endgültig das Sagen in Wolfsburg. Das wichtigste an dem gescheiterten Pflichtangebot ist ohnehin, dass Porsche jetzt erst wieder melden muss, wenn der Sportwagenhersteller mehr als 50 Prozent der VW-Papiere besitzt. Ach ja, Bankier Fürstenberg hat noch etwas Schlaues gesagt. „Als erstes im Bankgeschäft lernt man den Respekt vor der Null.“

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