Porsche-Prozess
Es steht 2:0 für Wiedeking

Tag sechs im Porsche-Prozess gegen Ex-Branchen-Star Wiedeking und Ex-Finanzchef Härter: Erneut läuft es vor Gericht in ihrem Sinne, auch wenn die Hedgefonds noch auf einen Auftritt hoffen können.

StuttgartEs mutet inzwischen schon ein bisschen wie ein Familientreffen an: Links im Saal 1 des Landgerichts Stuttgart sitzen die beiden jungen Staatsanwälte Heiko Wagenpfeil und Aniello Ambrosio einer ganzen Armada von Staranwälten gegenüber, angeführt von Hoeneß-Verteidiger Hanns W. Feigen, der Wiedeking vertritt, bis hin zu Härters Star-Verteidiger Sven Thomas. Im Zuschauerraum lauern die Anwälte der Hedgefonds. Jede Zeugenaussage im Strafprozess könnte eine Rolle für ihre milliardenschweren Schadenersatzklagen gegen die Porsche SE haben.

Auf einen Moment heute haben Hedgefonds, die Milliarden in der Übernahmeschlacht um Volkswagen verzockt hatten, gewartet: Die Staatsanwaltschaft will im Prozess wegen informationsgestützter Marktmanipulation gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und dessen Finanzvorstand Holger Härter auch Kapitalanleger befragen. Die Staatsanwälte wollen so klären, ob Anleger ihre Wertpapierkäufe aufgrund der Pressemitteilungen im Jahr 2008 getätigt haben.

Das in den vorangegangenen beiden Prozesstagen vorgestellte Gutachten, das die Angeklagten entlastete, sei als Beweismittel „nicht ergiebig genug“, monierte Staatsanwalt Heiko Wagenpfeil und gehe auch von falschen Modellvorstellungen aus. Richter Frank Maurer ließ zunächst offen, ob er auf den Antrag eingehen wird.

Es ist ein Hoffnungsschimmer für Hedgefonds, wenn die Staatsanwälte mit Hilfe ihrer Aussagen das Gutachten des Professor Burghof erschüttern wollen. Der hatte den tatsächlichen Einfluss der Pressemitteilungen auf die Kursentwicklung weitgehend als nicht beweisbar erklärt. Noch lässt sich der Richter nicht in die Karten schauen, wie er denkt.

Auch nicht am sechsten Prozesstag, bei der Befragung des ersten Zeugen, der unmittelbar am Geschehen beteiligt war: Christoph von Bülow von der Kanzlei Freshfields, der damalige Rechtsberater des Porsche-Vorstands, der Wiedeking duzt. „Das geschah an irgendeinem Abend, sei bei enger Zusammenarbeit nicht ungewöhnlich, solle aber nicht im Sinne einer Freundschaft überbewertet werden“, erklärt der Berater dem Richter.

Von Bülow war bei vielen Strategiegesprächen dabei, auch als es um die Veröffentlichungspflichten ging. Der auf Übernahmen spezialisierte Anwalt sagte, es sei „außerhalb seiner Vorstellungskraft“, dass es schon vor dem 26. Oktober 2008, als Porsche seine Pläne offenlegte, einen verdeckten Beschluss zur Komplettübernahme von VW gegeben habe.

Von Bülow bestätigte Wiedekings Version des ersten Prozesstags vom zerrütteten Verhältnis zwischen Wiedeking und Ferdinand Piëch, das ausschließe, dass es ein abgekartetes Spiel gegeben habe. Der damalige VW-Aufsichtsratschef war gleichzeitig auch Anteilseigner sowie Aufsichtsrat von Porsche. Ohne dessen Unterstützung schlug die Komplettübernahme später fehl.

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