Porsche-Prozess
Neue Beschuldigungen gegen Wendelin Wiedeking

Im Porsche-Prozess hat die Staatsanwaltschaft nun ein neuen Verdachtsmoment gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking kreiert. Das entzieht der bisherigen Anklage den Boden.

StuttgartIm Strafprozess gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und den früheren Finanzvorstand Holger Härter schwimmen der Staatsanwaltschaft die Felle weg. Erstmals gab Richter Frank Maurer einen Einblick in seine Sicht der Dinge: Er machte am Donnerstag in Stuttgart deutlich, dass er es bei einem Teil der Anklage für schwierig halte, den von der Staatsanwaltschaft unterstellten Vorwurf der Marktmanipulation aufrecht zu erhalten. Bislang habe keiner der Zeugen den Vorwurf der Staatsanwaltschaft gestützt, dass die damalige Porsche-Führung einen verdeckten Beschluss zur Komplettübernahme von Volkswagen gefasst habe und diesen danach in ihren ersten fünf Mitteilungen im Jahr 2008 Mitteilungen verschwiegen habe. Es werde schwierig, eine Täuschungsabsicht sicher festzustellen, sagte der Richter.

Turbulent ging es im zweiten Teil der Anklage zur Mitteilung am 26.10.2008 zu. Damals hatte Porsche erstmals die Übernahmeabsicht öffentlich gemacht. Die VW-Aktie war damals wegen der Übernahmepläne in die Höhe geschnellt. 2008 schwankte der VW-Kurs stark, Anleger verloren Milliardenbeträge.

Zu Beginn des Prozesstages hatte die Staatsanwaltschaft in diesem Fall einen neuen Tatvorwurf kreiert. Auch zur Überraschung des Vorsitzenden Richters, erklärten die Staatsanwälte, dass ein Grund für die Pressemitteilung von Porsche am 26.10.2008 die Sorge von Porsche vor zu stark steigenden Preisen der VW-Aktie gewesen sei, die dann wiederum die Maple-Bank in Schwierigkeiten gebracht hätte.

Bislang war der Vorwurf genau andersherum. Jetzt soll die Sorge vor dem Untergang der Maple Bank die Porsche SE dazu bewogen haben am 26.10.2008 schnell eine Pressemitteilung herauszugeben. Die kleine kanadische Investmentbank wickelte die milliardenschweren Kurssicherungsgeschäfte mit VW-Aktien für Porsche ab.

Der Vorsitzende Richter Frank Maurer hat mit Erstaunen auf diese Erklärung der Staatsanwaltschaft reagiert. Er beließ es zunächst bei der Nachfrage, ob damit die bisher erhobene Anklage fallen gelassen werde.

Die Staatsanwaltschaft hatte bislang behauptet, die Porsche SE habe damals bis zu sechs Milliarden Euro Nachschusspflicht gegenüber der Maple-Bank wegen des Kursrückgangs der VW-Aktien aufbringen müssen.

Ende Oktober 2008 habe Porsche aufgrund des in der Vorwoche gefallenen VW-Kurses vor der Pleite gestanden. Wiedeking und Härter hätten den längst gefallenen Beschluss der vollständigen VW-Übernahme erst wegen des drohenden Liquiditätsengpasses bekannt gegeben, argumentieren die Ankläger bislang.

Fallende Kurse bedeuteten damals, dass Porsche hohe Summen an die Bank zahlen musste. Bei stark steigenden Kursen profitierte Porsche. Wiedeking und Härter streiten ab, dass die Kurse beeinflusst werden sollten.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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