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16.11.2006 
Kapitalerhöhung

Porsche rüstet sich für VW-Kauf

von Martin.-W. Buchenau und Carsten Herz

Der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche hat die Weichen für eine Übernahme des VW-Konzerns gestellt. Das Unternehmen will sich von der Hauptversammlung im Januar eine mögliche Kapitalerhöhung von rund 8 Mrd. Euro genehmigen lassen. Zusammen mit Krediten könnte Porsche dann den Kauf von VW leicht stemmen. Hinter all dem Treiben steckt ein Mann mit einem klaren Ziel.

VW und Porsche haben im Käfer gemeinsame Wurzeln. Ferdinand Porsche hat ihn konstruiert. Foto: HerstellerLupe

VW und Porsche haben im Käfer gemeinsame Wurzeln. Ferdinand Porsche hat ihn konstruiert. Foto: Hersteller

STUTTGART/FRANKFURT. „Wir brauchen eben zusätzlichen Spielraum, auch um Aktien als Gegenleistung für den Erwerb von Unternehmen einsetzen zu können“, begründete ein Porsche-Sprecher die anvisierte Kapitalerhöhung. Porsche will sich von seinen Aktionären die Möglichkeit absegnen lassen, das Grundkapital um die Hälfte zu erhöhen. Dies entspräche 8,75 Mill. neuen Aktien, nach jetzigem Börsenwert rund 8 Mrd. Euro. Die Zustimmung der Aktionäre gilt als sicher, weil auf der Hauptversammlung nur die Familien Porsche und Piëch stimmberechtigt sind.

Autoexperten wie Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank erwarten, dass Porsche damit Vorbereitungen trifft, die Mehrheit an Europas größtem Autokonzern zu erwerben. Porsche teilte mit, die eigene Beteiligung an VW habe inzwischen die Meldeschwelle von 25 Prozent überschritten und betrage jetzt 27,4 Prozent. Der Aufsichtsrat ermächtigte den Vorstand darüber hinaus, den Anteil auf 29,9 Prozent aufzustocken.

Nach der Kapitalerhöhung um 8 Mrd. Euro wäre es für Porsche angesichts der hohen Bonität kein Problem, Kredite zu erhalten. Porsche gab am Mittwoch für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Rekordgewinn von 2,1 Mrd. Euro bekannt. Für ein Übernahmeangebot an VW müsste Porsche derzeit rund 20 Mrd. Euro auf den Tisch legen. Der Sportwagenbauer müsste allen übrigen VW-Aktionären, die jetzt noch 70 Prozent der Anteile halten, ein Angebot unterbreiten. Da Niedersachsen, mit rund 20 Prozent zweitgrößter VW-Aktionär, sich jedoch von seinen Anteilen nicht trennen wird, könnte eine Übernahme für den vom Piëch-Familienclan kontrollierten Sportwagenbauer deutlich preiswerter werden. Gleichzeitig steigen große US-Investoren bei VW aus. So teilte Brandes am Donnerstagmorgen mit, dass der Anteil an VW auf 1,59 Prozent reduziert wurde. Zuvor besaß der Investor 9,8 Prozent und war vor dem Einstieg Porsches zweitgrößter VW-Anteilseigner.

Ursprünglich hatten Experten erwartet, Porsche werde frühestens im Dezember seinen Anteil bei VW weiter erhöhen. Für den 12. Dezember ist eine mündliche Verhandlung vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) zum so genannten VW-Gesetz angesetzt. Dieses Gesetz ermöglicht dem Land Niedersachsen auf Hauptversammlungen eine Sperrminorität. Gleichzeitig wird das Höchststimmrecht auf 20 Prozent begrenzt, auch wenn ein Aktionär mehr Anteile hält. Die EU-Kommission hält das VW-Gesetz schon seit langem für rechtswidrig. Porsche geht offenbar davon aus, dass der EuGH das Gesetz im nächsten Jahr kippen wird – und damit das entscheidende Hindernis beseitigt ist.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ferdinand Piëch hat ein Ziel.

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