Porsche SE
Dieselskandal lastet schwer auf VW-Großaktionär

Der VW-Großaktionär Porsche SE hat im ersten Halbjahr einen massiven Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Der Abgasskandal bei Volkswagen belastete das Ergebnis. Den Ausblick lässt das Unternehmen aber unverändert.

DüsseldorfDie Lasten des Dieselskandals bei Volkswagen hinterlassen auch in diesem Jahr tiefe Spuren in den Bilanzen des Großaktionärs Porsche SE. Das Konzernergebnis nach Steuern brach im ersten Halbjahr auf 980 Millionen Euro ein, wie die von den Familien Porsche und Piëch kontrollierte Holding am Montag mitteilte. Vor Jahresfrist waren es noch 1,65 Milliarden Euro.

Den Ausblick für das Gesamtjahr ließ die Gesellschaft unverändert: Das Konzernergebnis nach Steuern werde zwischen 1,4 und 2,4 Milliarden Euro liegen und sich damit wieder etwas erholen nach einem Verlust von 273 Millionen Euro im Vorjahr, als der VW-Skandal das Ergebnis bereits verhagelte. Hans Dieter Pötsch ist in Personalunion Vorstandschef der Holding sowie auch Aufsichtsratsvorsitzender von Volkswagen und überwacht damit die Bewältigung des Abgasskandals, in dem der Konzern wegen der Manipulation von Motoren bei elf Millionen Fahrzeugen weltweit steckt.

Die Finanzholding war im Zuge des Übernahmekampfes zwischen VW und Porsche entstanden und hält rund 52,2 Prozent der VW-Stimmrechte. Der Sportwagenbauer Porsche AG wiederum ist eine reine VW-Tochter. Volkswagen ist damit nach wie vor für den Großteil des Gewinns der Porsche SE verantwortlich. Die Familiengesellschaft der Porsches und Piëchs hatte sich immer wieder uneingeschränkt zu ihrer Rolle als langfristig orientiertem Ankeraktionär von VW bekannt. Sie sei „auch weiterhin vom Wertsteigerungspotenzial des Volkswagen-Konzerns überzeugt“, hieß es nun im Geschäftsbericht.

Über die VW-Beteiligung hinaus schaut die Porsche-Holding sich zudem auch nach Übernahmezielen „entlang der automobilen Wertschöpfungskette“ um. „Neue Beteiligungsmöglichkeiten werden fortlaufend geprüft“, sagte der dafür zuständige Vorstand Philipp von Hagen zuletzt. Rund 100 Unternehmen habe sich Porsche angeschaut. Es gebe 20 Projekte, „davon drei heiße“. Bislang hat sich die Porsche SE aber nur am Verkehrsdatendienst Inrix beteiligt.

Auch muss die Holding ihr Geld wegen der laufenden Schadenersatzklagen zusammen halten. Vornehmlich Hedgefonds klagen wegen Marktmanipulation während der Übernahmeschlacht. Das Unternehmen soll seine Übernahmepläne mit falschen Mitteilungen verschleiert haben und so Anleger in die Irre geführt haben. Der Strafprozess gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen damaligen Finanzchef Holger Härter endeten aber mit lupenreinen Freisprüchen. bislang hat Porsche alle Schadenersatzklagen gewonnen. Allerdings laufen noch einige Anlegerklagen mit Milliardenrisiken für die Porsche SE.

Die Reserven der Holding schrumpfen aber – dies liegt auch an der im Frühjahr beschlossenen und umstrittenen Dividenden-Ausschüttung an die Anteilseigner um die Familien Piëch und Porsche. 308 Millionen Euro flossen für die Ausschüttung ab – dabei mussten die Anteilseigner aber Federn lassen. Denn im Vorjahr waren es noch über 600 Millionen Euro. Die Nettoliquidität belief sich per Ende Juni noch auf 1,32 Milliarden Euro, Ende 2015 lag sie bei 1,70 Milliarden Euro. Hier strebt die Porsche SE ohne Berücksichtigung von Investitionen zum Jahresende 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro an.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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