Porsche und Piëch
Eine schrecklich reiche Familie

Wer bei Volkswagen das Sagen hat, bestimmt nicht Ferdinand Piëch alleine. Die Macht liegt in den Händen eines mächtigen Familienverbunds, der über die Zukunft von Vorstandschef Martin Winterkorn entscheiden dürfte.
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Düsseldorf„Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“ Mit diesen sechs Worten hat VW-Patriarch Ferdinand Piëch am Freitagabend ein Beben im Wolfsburger Autoreich ausgelöst – und in der Folge einen Familienzwist aufflammen lassen, der zuletzt fast vergessen schien. Im mächtigen Verbund der Familie Porsche und Piëch sorgt die offene Attacke des Aufsichtsratschefs in Richtung des Vorstandsvorsitzenden für Unruhe. Wieder einmal.

Wolfgang Porsche bemühte sich umgehend darum, die Worte seines Cousins zu entschärfen. Piëch habe eine „Privatmeinung“ geäußert, die „inhaltlich und sachlich nicht mit der Familie abgestimmt“ gewesen sei, ließ der Porsche-Erbe mitteilen. Darüber hinaus wurde ein Treffen der Familien Porsche und Piëch anberaumt. Der mächtige Familienverbund scheint uneins in der Frage, wer den größten deutschen Autobauer künftig leiten soll. Und er gibt im Wolfsburger Reich den Ton vor. Über die Beteiligungsgesellschaft Porsche SE halten die Familien rund 50,7 Prozent an Volkswagen, sitzen mit fünf Mitgliedern im Aufsichtsrat. Gegen die Familie kann kein VW-Chef regieren.

Die Personalie Winterkorn ist ein neuer Konfliktherd zwischen den Porsches und Piëchs geworden, es könnte der letzte große Zwist der dritten Generation sein. Während Firmenpatriarch Ferdinand Piëch und sein Bruder Hans-Michel den Glauben in den langjährigen Konzernlenker Winterkorn verloren zu haben scheinen, hält sich die Porsche-Familie öffentlich weitgehend zurück. Doch nicht nur die Äußerungen von Wolfgang Porsche zeigen, dass hinter den Kulissen erneut ein Konflikt ausgebrochen ist, wer das Sagen im Familienreich hat.

Die letzte große Auseinandersetzung der Familien mündete in einem Wirtschaftskrimi. Im Jahr 2008 hatte der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking die Übernahme von VW lange im Stillen, dann ganz offen vorangetrieben – und war am Ende gescheitert. In der Folge lieferten sich Wolfgang Porsche und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch einen Streit um den Einfluss im neuen Riesenreich, aus dem Piëch als klarer Gewinner hervorging. Nach gewonnener Abwehrschlacht servierte er Wiedeking ab und ersetzte ihn durch Matthias Müller, der Sportwagenbauer aus Zuffenhausen wurde als zehnte Konzernmarke ins VW-Reich integriert.

Öffentlich beschwören die Familien seitdem der Zusammenhalt. Bei den traditionellen Konzernabenden vor Automessen sitzen Wolfgang Porsche und Ferdinand Piëch Seite an Seite. Das Vermögen ihrer Familien haben sie gebündelt in der Porsche Automobil Holding SE. Die über 60 Mitglieder des Porsche-Piëch-Clans halten ihre Anteile an der Porsche SE mit Hilfe kaum durchschaubarer Stiftungskonstruktionen und kleinerer Beteiligungsgesellschaften. Doch insgesamt ist die Macht zwischen den Familien in der Beteiligungsgesellschaft weitgehend paritätisch verteilt.

Auch wenn die Porsche SE selbst nur an Volkswagen beteiligt ist, reicht der Einfluss der Familie in der deutschen Wirtschaft weit. Die privaten Beteiligungen der Porsches und Piëchs sind so zahlreich wie vielfältig. Dazu gehören Molkereien, Hotels und Feinkostläden. Einige Familienmitglieder machen Karriere fernab der Autoindustrie. Stefan Piëch, ein Mitglied der vierten Generation, führt beispielsweise das börsennotierte Unternehmen Your Family Entertainment in München, das mit Filmen („Fix & Foxi“), Lizenzen und Produkten für Kinder handelt. Sein Cousin Peter Daniell Porsche ist Pädagoge und Musiktherapeut. Er fördert mit seinen Dividenden soziale Projekte und Waldorf-Schulen.

Kommentare zu " Porsche und Piëch: Eine schrecklich reiche Familie"

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  • --@Herr Norbert Wolter

    noch nicht, aber was wird in 4-8 Jahren sein?

    Es fehlen einfach die neuen Trends und nicht nur eine Verfeinerung der Grundideen von Herrn Dr. Piech.

    Außerdem: "Wer sich mit Piech anlegt, hat schon verloren, bevor er aufsteht": (chinesisches Sprichwort)

  • verehrter Herr Herr Bruno zu Fürstenberg Usslar,

    sie schreiben (sehr) viel
    und sie verstehen mal wieder nichts.

    Allerdings muss ich zugeben, dass ich hierzu über persönliche Kenttnisse und Erfahrungen verfüge und deshalb nicht aus die Medien als Info-Quelle angewiesen bin.

    Aber was solls, sie raffen ja nicht einmal, dass es 3-6 Jahre braucht, bevor man sieht, was wirklich in so einem Konzern abspielt. Trotzdem lustig, wenn man hier so die typischen Mainstream - Konsumenten sieht, wie sie sich über Sachen den Kopf zerbrechen, von denen sie keine Ahnung haben.

  • Treffend formuliert. Die vormals schnöden Audi-Ringe hat er zu einer exzellenten Weltmarke geformt. Extrem profitabel. Als Anleger hat man nur in die Hände geklatscht.
    Wo stand VW, als Piech Vorstandsvorsitzender war und wo steht VW heute? Die Modellreihen unter Wiko haben definitiv mehr Schmackes als zu Piechs Zeiten.
    Das macht sich auch an den Verkäufen bemerkbar.
    Von Mief keine Spur.

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