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Porsche und Wulff: „Das ist unsäglich, das ist kriminell“

Bei den Milliardenklagen gegen Porsche und den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen dessen Ex-Manager gerät Christian Wulff ins Zwielicht. Recherchen legen den Verdacht nahe, dass er falsch informiert hat.

Christian Wulff geht aus dem Langhanssaal im Schloss Bellevue. Quelle: dapd
Christian Wulff geht aus dem Langhanssaal im Schloss Bellevue. Quelle: dapd

DüsseldorfDer 28. Oktober 2008 ist ein Tag, der in die deutsche Wirtschaftsgeschichte eingeht. Innerhalb weniger Stunden schießt der Kurs der Volkswagen-Aktie von 520 auf 1005 Euro. Der Wolfsburger Autokonzern ist plötzlich 296 Milliarden Euro wert, mehr als alle Autobauer in Europa und den USA zusammen. Allein Großaktionär Porsche, dem zu diesem Zeitpunkt 42,6 Prozent von VW gehören, verbucht nach Schätzungen der Deutschen-Bank-Tochter DWS zwischen 10 und 40 Milliarden Euro Gewinn. Für Anleger, die auf sinkende Kurse gesetzt haben, ist die irrwitzige Rally an der Börse jedoch eine Katastrophe. Bis zu 30 Milliarden Euro Vermögen verdunsten aus ihren Büchern. Schnell keimt unter Börsianern ein schlimmer Verdacht: Porsche könnte illegal den VW-Kurs getrieben haben.

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Bundespräsident Christian Wulff ist zu dieser Zeit Regierungschef des Landes Niedersachsen, das damals rund 20 Prozent an dem Wolfsburger Autokonzern hielt und bis heute über eine Sperrminorität verfügt. Als Ministerpräsident gehört der Christdemokrat zugleich dem VW-Aufsichtsrat an und verfolgt die Kurskapriolen am 28. Oktober 2008 deshalb auch aus dieser Perspektive. Dass ihm dies jetzt, dreieinhalb Jahre später, eine Schlüsselrolle bei der juristischen Aufarbeitung des Börsengeschehens bescheren würde, kann Wulff zu dem Zeitpunkt nicht ahnen.

Doch die Situation hat sich inzwischen gravierend verändert. Porsche ist längst mit dem Versuch gescheitert, Volkswagen zu übernehmen. Nach einer der verbissensten Übernahmeschlachten des vergangenen Jahrzehnts steht der Sportwagenbauer davor, seinerseits in den VW-Konzern eingegliedert zu werden. Vor allem aber sind die Kursbewegungen von damals Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen geworden.

Grünen-Fraktionschef „Wulff hat den Landtag hinters Licht geführt“

Die Kritik an Bundespräsident Christian Wulff gewinnt wieder an Schärfe. Der niedersächsische Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel wirft Wulff nun die Täuschung des Landtags vor - und zwar nach „Strich und Faden“.

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In Stuttgart ermittelt die Staatsanwaltschaft seit Sommer 2009 gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, den früheren Finanzchef Holger Härter sowie weitere Manager des Sportwagenbauers wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Mehr als 80 Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungen haben Ende 2011 Porsche und VW auf Schadensersatz von über vier Milliarden Euro verklagt. Und seit rund vier Wochen verlangen deren Anwälte sogar von Wulff persönlich 1,8 Milliarden Euro Wiedergutmachung.

Dadurch gewinnen Äußerungen eine neue Bedeutung, die Wulff im Juli 2009 gegenüber der WirtschaftsWoche über die gescheiterten Porsche-Attacken auf VW sowie über mögliche Marktmanipulationen durch Wiedeking und Härter machte. Die Äußerungen lassen den Schluss zu, dass Wulff bereits während der Schlacht um VW tiefe Kenntnisse über die Übernahme-Absichten von Porsche hatte, die nun Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sowie der Schadensersatzklagen sind.

VW und Porsche FAQ

  • Was ist das Ziel von VW und Porsche?

    Die beiden Seiten wollen einen „integrierten Automobilkonzern“ formen, mit Porsche als zehnter Marke unter dem Volkswagen-Dach. VW ist Europas größter Autobauer und will 2011 im Gesamtkonzern die Schwelle von acht Millionen Fahrzeugen knacken. Porsche rechnet für 2011 erstmals mit mehr als 100.000 Autos. Die Partner erhoffen sich von ihrem Zusammengehen 700 Millionen Euro Einsparungen pro Jahr.

  • Was ist die Vorgeschichte der heutigen Probleme?

    Porsche hatte noch vor der Wirtschaftskrise den Plan gefasst, den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen. Die Schlacht war lang und schmutzig - und im Sommer 2009 hatte Porsche den ungleichen Kampf verloren. Die Schwaben hatten sich mit ihren ambitionierten Plänen verhoben, die Dachgesellschaft Porsche Automobil Holding SE stand mit 11,4 Milliarden Euro Schulden da. Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter nahmen ihren Hut. VW drehte den Spieß um - Porsche soll nun unter das Dach von VW schlüpfen.

  • Welche Hürden stehen im Weg?

    Die misslungene Übernahme hat gehörige Altlasten hinterlassen: So dauern in den USA juristischen Streitigkeiten an. Kläger sind verschiedene Fondsgesellschaften. Ihre milliardenschweren Forderungen laufen in zwei getrennten Fällen: Auf bundesstaatlicher Ebene wird darum gerungen, ob die US-Gerichte überhaupt zuständig sind. Dabei hat Porsche in erster Instanz gewonnen. Die Gegenseite hat Berufung eingelegt und das Verfahren harrt nun der Dinge. Ebene zwei ist ein Verfahren in New York, wo es auch um Zuständigkeitsfragen geht. Dort hat es in erster Instanz noch keine Entscheidung gegeben.

  • Gibt es auch anderswo Probleme?

    Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt seit 2009. Wiedeking und Härter wird zum einen Marktmanipulation vorgeworfen. Sie sollen zwischen 2007 und 2009 im Zuge der geplanten VW-Übernahme die Öffentlichkeit teilweise gar nicht und in anderen Fällen nur unzureichend über ihre Pläne informiert haben. Zudem besteht gegen die beiden Ex-Porsche-Manager Untreueverdacht. Hintergrund: Die ehemaligen Vorstände könnten für die geplante Übernahme mit Aktienkurssicherungsgeschäften existenzgefährdende Risiken für Porsche eingegangen sein.

    Außerdem wurde gegen Härter und zwei weitere Verantwortliche des Porsche-Finanzbereichs ein Verfahren wegen des Verdachts auf Kreditbetrug eingeleitet. Sie werden verdächtigt, bei Verhandlungen über die Refinanzierung von Krediten der Porsche-Dachgesellschaft falsche oder unvollständige Angaben gemacht haben. Die weiteren Ermittlungen sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft „äußerst aufwendig und zeitintensiv“ und werden nicht mehr 2011 abgeschlossen. Dem Vernehmen nach könnten sie sich bis weit ins nächste Jahr hineinziehen.

  • Welche Folgen hat das konkret?

    Die ursprünglich für 2011 geplante Verschmelzung der VW AG und der Dachgesellschaft Porsche SE ist geplatzt. Dies war die Wunschlösung. Unter dem Dach der Porsche Holding sind die Mehrheit der Anteile am Porsche-Sportwagengeschäft (Porsche AG) gebündelt und die mehr als 50 Prozent, die die Stuttgarter an VW halten. Die Grundlagen für die Verschmelzung hatten die beiden Autobauer bereits im Sommer 2009 vereinbart. Grund für das Scheitern: VW sieht in den ungelösten juristischen Auseinandersetzungen der Stuttgarter ein unkalkulierbares Risiko - das wollen sie sich nicht ins Haus holen.

  • Wie könnten die Partner alternativ zusammenfinden?

    Die Verschmelzung ist nicht komplett vom Tisch, sie könnte auch noch später durchgezogen werden. Allerdings müssten dafür neue Verträge abgeschlossen werden, die alten wären nicht mehr gültig. Außerdem haben sich die Autobauer bereits vor zwei Jahren einen Plan B zurechtgelegt. Von Mitte November 2012 bis Ende Januar 2015 gibt es vier vertraglich festgelegte Zeitfenster, in denen VW das Porsche-Sportwagengeschäft für den Preis von 3,9 Milliarden Euro komplett übernehmen kann. Bisher halten die Wolfsburger 49,9 Prozent.

  • Der Vorteil:

    Volkswagen könnte sich das komplette operative Porsche-Sportwagengeschäft sichern, ohne die ungelösten Probleme der Porsche SE am Hals zu haben. Der Nachteil: Diese Variante wäre aus gesetzlichen Gründen erst ab Mitte 2014 steuerfrei. In den nächsten Wochen wollen beide Unternehmen nach alternativen Wegen suchen. Wie diese aussehen könnten, ließen sie zunächst offen.

Vor allem aber drängt sich der Verdacht auf, dass er dieses Insiderwissen für sich behielt – also nichts unternahm, um das Kurschaos an der Börse zu verhindern. Nicht nur, dass Anleger vom Bundespräsidenten deswegen Milliarden wollen. Wulff könnte sogar mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt geraten. Der Bundespräsident lehnt mit Verweis auf die laufenden Ermittlungsverfahren und Schadensersatzprozesse sowie seine Schweigepflichten als Ex-VW-Aufsichtsrat jeglichen Kommentar ab.

Unklarheiten über VW und Porsche

Als Porsche auf einmal erklärte Zugriff auf 75 Prozent der VW-Aktien zu haben und einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit VW anzustreben, explodierte der Kurs der VW-Aktien.

Äußerungen Wulffs vor gut zweieinhalb Jahren gegenüber der WirtschaftsWoche deuten jedoch darauf hin, dass er früher als andere Aktionäre und früher, als es bislang öffentlich bekannt war, davon wusste, dass Porsche 75 Prozent an Volkswagen erwerben und damit den Konzern beherrschen wollte. Gerüchte in dieser Richtung waren schon Anfang 2008 laut geworden. Doch Porsche hatte jedes Mal, zum Beispiel im März 2008, dementiert, dass eine solche Absicht bestehe. Entsprechende Berichte seien bloße „Gedankenspiele von Investoren und Analysten“, hieß es damals aus Stuttgart. Diese Linie hielt der Sportwagenbauer Monate durch.

  • 01.02.2012, 16:33 UhrAnonymer Benutzer: ursularenner

    Der Artikel ist einfach nur lächerlich. Für möglicherweise kursrelevante Informationen gibt es strenge Vorschriften und Gesetze. Glaubt irgendjemand wirklich, Herr Wedekind habe so mutterseelenallein auf seinem Traktor den Ent-schluß gefaßt, VW zu kaufen??? Das war m.E. ein Beschluß des Aufsichtsrats bzw. der Familie, sich neben VW auch noch Porsche unter den Nagel zu reißen. Respekt vor ihren (Mit-)Aktionären hatte die Familie noch nie. Der Vorstand von Porsche war bei der ganzen Aktion Befehlsempfänger, und sonst nichts. Die Art der Befehlsumsetzung hatte etwas Ästhetisch-Genialisches, höhere Finanzmathematik - und das soll so ein freundlicher Mensch wie Herr Wulf verstanden haben?

  • 31.01.2012, 13:51 UhrMJM1605

    Das ließe sich ja nachweisen und dann hätten die Herren Politiker wirklich ein Problem.

  • 31.01.2012, 13:44 UhrMJM1605

    Ja das kann die Kehrseite der normalerweise so einträglichen Leerverkäufe sein.

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