Porsche-Verschmelzung
Heftiger Streit unter den VW-Aufsehern

Nach außen hin wirkt es wie eine Traumhochzeit. Doch die Glocken läuten in Moll. Die Verschmelzung von VW und Porsche ist nun zwar beschlossene Sache, aber hinter den Türen gab es mächtig Streit im VW-Aufsichtsrat. Zwei Mitglieder haben sogar gegen die Verschmelzung gestimmt. Ein Eklat.
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mcs/HB. Bei der Abstimmung über die Verschmelzung mit Porsche war der Aufsichtsrat von Volkswagen alles andere als einer Meinung. Zwei VW-Kontrolleure haben gegen das neue Schwergewicht der Automobilbranche gestimmt. Wie das Handelsblatt aus Familienkreisen erfahren hat, haben sich die Skeptiker trotz umfangreicher Rechtsgutachten und fortlaufender Vertragsveränderungen am Ende nicht überzeugen lassen. Die Zusammenführung sei eine sehr komplexe Materie, dabei müsse man sich sicher fühlen. Im Übrigen sei das "ein demokratischer Aufsichtsrat". Die Gegenstimmen seien "keine Hypothek". Nun könne der integrierte Autokonzern umgesetzt werden.

Schon die Tatsache, dass die Abstimmung bis kurz nach Mitternacht ging, deutete auf die erregten Diskussionen hin. Einstimmigkeit war aber dennoch nicht zu erreichen. Zwei Aufseher stimmten gegen den Deal: Der Präsident der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Roland Oetker, und RWE-Chef Jürgen Großmann.

Am Anfang der Sitzung hatten sogar vier Vertreter des Aufsichtsrates ihre unterschiedliche Meinung geäußert. Es ging vor allem um die Risiken, die mit dem Kauf der Porsche-Anteile einher geht. Allem Anschein nach gab es Streitigkeiten wegen der Risiken, die mit dem Deal einhergehen.

Am Freitagabend hat auch der Aufsichtsrat von Porsche endgültig den Verträgen für ein Verschmelzen der beiden Autobauer zugestimmt. Mit Unterzeichnung der sogenannten Durchführungsverträge wird zugleich der Weg für Winterkorn auf den Chefsessel bei der Porsche SE frei. Neuer Finanzchef der Porsche-Dachgesellschaft soll VW- Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch werden. Der Aufsichtsrat der Porsche SE hatte dies bereits im August beschlossen.

Um Interessenkonflikte bei den Verhandlungen über die Einzelheiten der Verschmelzung zu vermeiden, wollten Winterkorn und Pötsch aber die Unterzeichnung der Fusionsverträge abwarten. Es wird damit gerechnet, dass die beiden Manager spätestens zur Bilanz- Pressekonferenz von Porsche am kommenden Mittwoch (25. November) offiziell ihre Ämter antreten und sich bei der Präsentation der Ziele des Sportwagenbauers in neuer Funktion präsentieren.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Zustimmung der beiden Kontrollgremien war den Angaben zufolge der Abschluss der Verhandlungen mit dem Bankenkonsortium von Porsche zur Rückführung des bestehenden Großkredits. Dabei werde die Porsche SE den bestehenden Kreditrahmen über 10,5 Mrd. Euro ablösen durch eine neue Kreditlinie, die bis zu einem Gesamtvolumen von 8,5 Mrd. Euro reicht, teilten die Stuttgarter mit. Diese neue Regelung reduziere die Zinslast deutlich. Die Verträge verteilten sich auf drei Tranchen mit Laufzeiten zwischen zwei und drei Jahren.

Volkswagen und Porsche hatten sich nach einem beispiellosen Übernahmekampf bereits im August in einer Grundlagenvereinbarung auf einen integrierten Autokonzern geeinigt. Die sogenannten Durchführungsverträge, die Einzelheiten der Verschmelzung regeln, müssen von den Aufsichtsräten beider Unternehmen abgesegnet werden.

Die Wolfsburger wollen noch in diesem Jahr für rund vier Mrd. Euro mit knapp 50 Prozent beim Sportwagengeschäft von Porsche einsteigen. Dazu plant VW eine Kapitalerhöhung im ersten Halbjahr 2010. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 3. Dezember sollen die Aktionäre zustimmen. Im Laufe des Jahres 2011 sollen Volkswagen und Porsche miteinander verschmelzen. Porsche wird als zehnte Marke in den VW-Konzern eingegliedert.

Größte Anteilseigner an dem neuen Konzern werden neben der Porsche Holding, die 51 Prozent an VW erworben hatte, das Land Niedersachsen und das Emirat Katar, das 17 Prozent der Stimmrechte anstrebt.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnet damit, dass die VW- Gruppe nach der Übernahme der Stuttgarter klarer Marktführer im Luxussegment wird. Nach seiner Studie wird die Bedeutung des Premium- Marktes weltweit und auch in den gesättigten Automärkten überproportional steigen. Porsche habe bereits einen Marktanteil in dem Segment von über 35 Prozent - Tendenz steigend, erklärte der Autoexperte von der Universität Duisburg-Essen. Kostenvorteile mit gemeinsamen Plattformen für mehrere Modelle sowie dem gemeinsamen Einkauf und der Entwicklung machten deutliche Kostenersparnisse möglich. Der Ausbau der Marktanteile der neuen VW/Porsche-Gruppe sei zu erwarten.

Porsche hatte sich mit der ursprünglich geplanten Übernahme von VW massiv verhoben und einen riesigen Schuldenberg angehäuft. Auch die Porsche Holding SE plant daher etwa Anfang 2011 eine Kapitalerhöhung. Außerdem wird das österreichische Autohandelsgeschäft von Porsche an VW verkauft. Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter mussten Ende Juli als Konsequenz der Belastungen durch die missglückte Übernahme von VW ihren Hut nehmen.

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