Porsche versus Volkswagen
Schattenboxen in Wolfsburg

Die Antwort auf die Frage nach dem Grund des Streites mit Großaktionär Porsche kommt schneller als die Zündung eines VW Scirocco: "Egomanie eines Einzelnen", sagt ein Vertrauter von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn. Wendelin Wiedeking ist gemeint. Der erfolgsverwöhnte Porsche-Chef hat es seit seinem Einstieg bei Volkswagen binnen weniger Monate geschafft, nicht nur den Gewinn des Sportwagenbauers, sondern auch die Zahl seiner Gegner zu maximieren.

HAMBURG. Heute Vormittag marschieren 30 000 Mann gegen ihn auf: vor dem VW-Hochhaus, in dem der Aufsichtsrat samt Wiedeking, Porsches Finanzchef Holger Härter und Clan-Chef Wolfgang Porsche tagt. Offiziell demonstrieren die Arbeiter für das neue VW-Gesetz, das die Sonderrechte von Betriebsrat und Land Niedersachsen erhalten soll. Wiedeking versteht die Geste jedoch so, wie sie gemeint ist: als Protest gegen seinen Kurs bei der VW-Übernahme.

Weit gefährlicher als der Aufmarsch der Arbeiter am Volkswagen-Stammsitz ist für Wiedekings Zukunft ein einzelner Mann: Ferdinand Piëch, der Patriarch von Volkswagen und Anteilseigner von Porsche. Piëch ist ein leidenschaftlicher Sammler kostbarer Dolche - und ein Gegner, den zu unterschätzen schon eine Reihe von Managern die Karriere gekostet hat.

In Wolfsburg ist es ein offenes Geheimnis: Piëch stärkt VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh im Kampf gegen die Porsche-Dominanz den Rücken. Kenner des Konzerns sehen ein untrügliches Zeichen für Piëchs Position in dem immer lauter vorgetragene Unmut von Winterkorn. Zuletzt ließ der VW-Chef bei der Präsentation des neuen Golf in Island keinen Zweifel daran, was er als Belastung sieht: Die Art des Porsche-Vorgehens.

Die Gegenwehr zeigt Wirkung. Ungewohnt sanfte Töne kommen plötzlich aus Stuttgart. Man habe "Verständnis für die Belegschaft und deren Sorge um Arbeitsplätze", heißt es. "Wir sind in Wolfsburg auf einem guten Weg", sagt ein Porsche-Sprecher. Dilemma entspringt Wiedekings Natur: Der Macher will alles. Ohne Kompromiss.

"Nähme er Rücksicht auf die Befindlichkeiten in Wolfsburg, gäbe es keine großen Probleme", sagt ein VW-Manager. In Unternehmenskreisen heißt es, VW-Management und Piëch fürchteten, Wiedekings forsches Vorgehen gegenüber VW gefährde den Erfolg der Verbindung, die Branchenprimus Toyota das Fürchten lehren soll. Solange aber Clan-Chef Wolfgang Porsche und der Rest der Familie hinter Wiedeking stehen, kann dem wenig passieren. Beide Stämme hat er mit dem Erfolg bei Porsche und dem VW-Einstieg sehr viel reicher gemacht.

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