Porträt
Elmar Degenhart – ein Herkules für Conti

Es ist ein Himmelfahrtskommando: Der künftige Chef des Autozulieferers Continental muss den Konzern befrieden, mit Großaktionär Schaeffler auskommen und mit den mehreren Dutzend Conti-Banken eine Refinanzierung für das hochverschuldete Unternehmen aushandeln. Favorit ist derzeit Elmar Degenhart. Helfen sollten ihm dabei seine Ruhe und Gelassenheit.

MÜNCHEN. Wer Elmar Degenhart einmal in Rage erleben will, der muss schon mit ihm zum Nürburgring gehen. Im Büro, da erleben seine Mitarbeiter einen ganz anderen Degenhart: ruhig, gelassen, ohne Ecken und Kanten. "Um ihn einmal emotional zu erleben, müsste man ihn schon arg provozieren", sagt einer, der früher mit dem Chef der Automotive-Sparte von Schaeffler zusammengearbeitet hat. Doch wenn er zum Beispiel mit seinen Söhnen bei einem Autorennen an der Strecke stehe, dann gehe der Manager so richtig aus sich heraus. "Da ist er ein ganz anderer Mensch."

Sollte Degenhart, von dem es bislag noch nicht einmal ein offizielles Foto gibt, nun tatsächlich Chef des Autozulieferers Conti werden, dann würde ihm wohl vor allem seine Ruhe und Gelassenheit im Büro helfen. Denn der Job in Hannover, da sind sich die Beteiligten einig, ist ein Himmelfahrtskommando.

Das Fell des Bären soll ja nicht verteilt werden, ehe er erlegt ist. Und noch ist Conti-Chef Karl-Thomas Neumann ja im Amt. Den Putschversuch der Schaefflers bei der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Donnerstag überstand er mit Hilfe der Arbeitnehmer. Doch spätestens in knapp zwei Wochen droht ihm das endgültige Aus. "Die Tage Neumanns sind gezählt", sagt einer, der durchaus auf seiner Seite steht. Ohne das Vertrauen eines 90-Prozent-Aktionärs lässt sich auf Dauer nicht arbeiten. Zudem hat sich Neumann mit einem Brief, in dem er schwere Vorwürfe gegen die Schaefflers erhob, keinen Gefallen getan. "Neumann hat zu hoch gepokert", sagt einer aus dem Umfeld des Konzerns.

Dann muss also ein anderer künftig die heikle Interessensbalance schaffen: die verunsicherten Mitarbeiter bei Conti mitnehmen und gleichzeitig das Verhältnis mit den Schaefflers befrieden. Gleichzeitig gilt es, mit den mehreren Dutzend Conti-Banken eine Refinanzierung für das hochverschuldete Unternehmen auszuhandeln.

Auch im operativen Geschäft gibt es genug Hausaufgaben zu erledigen. Am dringlichsten ist die Sanierung der Motoren- und Getriebesparte Powertrain, bei der Neumann nach Einschätzung der Schaefflers nicht schnell genug vorankam.

Wahre Wunderdinge soll der neue Chef also vollbringen. Kein Wunder, dass die Spekulationen ins Kraut schießen, wer all das stemmen könnte. Kurzzeitig kursierte auch der Name Rolf Koerfer als neuer Conti-Chef in der Gerüchteküche. Der Anwalt und Schaeffler-Vertraute ist derzeit Aufsichtsratsvorsitzender bei Conti. Die Spekulation allerdings wurde im Umfeld der Unternehmen nicht recht ernst genommen. "Ausgeschlossen", meinte einer.

Schließlich habe Koerfer bei der Moderation der Krise ziemlich versagt. Er sei mitschuldig am chaotischen Verlauf der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Donnerstag. Die Position des ehrlichen Maklers zwischen den verfeindeten Unternehmen habe er nie eingenommen. Insofern stelle sich eher die Frage, ob nicht auch ein neuer Conti-Aufsichtsratsvorsitzender gesucht werden müsse. Als Conti-Chef sei Koerfer jedenfalls nicht vermittelbar - zumal ihm auch die notwendige Branchenexpertise fehle.

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