Porträt
Eon-Chef Wulf Bernotat – der kühle Rechner

Der Name von Eon-Chef Wulf Bernotat dürfte mit dem Kauf von Endesa bald auch über die deutschen Grenzen hinaus Bekanntheit erlangen. Das Porträt eines Siegertypen.

kol DÜSSELDORF. Der Mann ist es gewohnt, seine Ansprüche klar zu formulieren. „Unser Ziel ist es, aus Eon den führenden Energiekonzern der Welt zu machen“, kündigte Wulf Bernotat bei der Bilanzvorlage im Frühjahr 2004 an, seiner ersten als Chef des Strom- und Gasriesen. Nur zwei Jahre später schickt er sich an, das Versprechen einzulösen. Sollte die Übernahme von Endesa gelingen, wird der 57-Jährige zum wichtigsten Energiemanager der Welt.

Mit Beharrlichkeit hat er sich an die Spitze gearbeitet. Stationen in London, Lissabon und Paris schärften seinen Blick über die nationale Perspektive hinaus. Zwanzig Jahre sammelte er beim Ölmulti Shell Erfahrung in den unterschiedlichsten Funktionen bevor er das erste Mal das Unternehmen wechselte. Er wurde 1996 Vorstand bei der Veba, dem Konzern, der später nach der Fusion mit Viag in Eon aufging. Hier machte der promovierte Jurist rasch Karriere.

Nur zwei Jahre später wechselte er als Vorstandsvorsitzender zur Veba-Tochter Stinnes. Bernotat baute den Mischkonzern in ein reines Logistikunternehmen um und machte Stinnes damit reif für die Börse und die spätere Komplettübernahme durch die Deutsche Bahn. Für Bernotat war dies die bestandene Meisterprüfung – sein Weg an die Eon-Spitze war frei. Am 1. Mai 2003 übernahm er den Posten von seinem Vorgänger Ulrich Hartmann.

Als nüchterner Rechner und Sparfuchs wird Bernotat beschrieben – Eigenschaften die er als Chef des Versorgers Eon bisher gut brauchen konnte. Groß war die Versuchung, das Geld mit vollen Händen auszugeben, um im europäischen Fusionspoker vorne mitzumischen. Denn der Umbau und der Verkauf von Tochterunternehmen brachten Eon Kassenbeständen von 15 Milliarden Euro. Doch Bernotat behielt einen kühlen Kopf und sagte sogar die geplante Übernahme von Scottish Power ab, weil ihm der Preis zu hoch war. Nun zahlt sich seine Geduld und Beharrlichkeit aus.

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