Porzellanhersteller
Italiener retten Traditionshaus Rosenthal

Die Insolvenz ist nicht das Ende. Diese Wahrheit bewahrheitet sich nun erneut. Der insolvente Porzellanhersteller Rosenthal ist gerettet. Der italienische Besteckhersteller Sambonet übernimmt das Traditionshaus. Und es gibt weitere gute Neuigkeiten für die Mitarbeiter.

HB SELB. Der Besteckhersteller Sambonet Paderno hat den insolventen Porzellanhersteller Rosenthal in Selb gekauft. Das italienische Familienunternehmen übernimmt nach Angaben von Insolvenzverwalter Volker Böhm vom Montag alle Produktionsstätten samt Markenrechten und Patenten. Sambonet investiert nach eigenen Angaben 50 Mio. Euro. Die Summe beinhaltet sowohl den Kaufpreis als auch die geplanten Investitionen ins Unternehmen. Rosenthal beschäftigt derzeit weltweit rund 1200 Menschen, davon gut 1000 in Deutschland.

„Ich freue mich außerordentlich, dass mit Sambonet ein Investor den Zuschlag erhalten hat, der sich mit Rosenthal perfekt ergänzt“, erklärte Böhm. Sambonet sei ein erfolgreiches, internationales Unternehmen, das Marktnähe mit Innovationskraft verbinde und für Rosenthal die Chance für einen echten Neuanfang biete. Sambonet Paderno Industrie Spa ist nach Böhms Angaben einer der international führenden Hersteller von hochwertigen Bestecken und Küchenzubehör für Restaurants und Hotels.

Der Freistaat Bayern hat die Übernahme nach Angaben von Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützt. Nach dpa-Informationen haben die LfA Förderbank und eine Privatbank den Kauf abgesichert. Für Investitionen stellte Zeil weitere fünf Mio. Euro aus Mitteln der Regionalförderung in Aussicht.

Böhm und Sambonet-Chef Pierluigi Coppo hatten den Kaufvertrag bereits am 10. Juli unterzeichnet. Er wurde jedoch erst am Wochenende wirksam, nachdem der Hauptgläubiger, die Bank of America, vereinbarungsgemäß alle Sicherheiten freigegeben hat. Die Markenrechte solle nach Zahlung des Kaufpreises in das Eigentum der von Sambonet gegründeten Auffanggesellschaft Rosenthal GmbH übergehen.

Der mit rund 100 Mio. Euro verschuldete Porzellanhersteller hatte Anfang Januar wenige Tage nach der Muttergesellschaft Waterford Wedgwood Insolvenzantrag gestellt. Die Verhandlungen mit Sambonet Paderno gestalteten sich nach Angaben Böhms schwierig und langwierig. Zur weiteren Restrukturierung und Stabilisierung des Geschäfts wurden die Produktpalette um rund 20 Prozent verringert und weitere 300 Arbeitsplätze abgebaut. Böhm rechnet für das laufende Geschäftsjahr wieder mit einem ausgeglichenen Ergebnis. In einigen Geschäftsfeldern sei sogar ein leichtes Wachstum zu verzeichnen.

Sambonet-Chef Coppo sieht für beide Unternehmen eine Reihe strategischer Perspektiven insbesondere im Vertrieb. „Für den Turnaround und die Integration von Rosenthal ist noch viel Arbeit nötig, aber wir sind zuversichtlich und stolz, den Neuanfang für Rosenthal zu gestalten“, betonte Coppo laut Mitteilung des Insolvenzverwalters. Als Käufer war unter anderem auch der türkische Porzellanhersteller Kütahya im Gespräch. Kütahya habe aber entgegen seiner Ankündigung kein neues Angebot für Rosenthal vorgelegt, betonte Böhm.

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