Porzellanmanufaktur sucht Investor: Rosenthal läuft die Zeit davon

Porzellanmanufaktur sucht Investor
Rosenthal läuft die Zeit davon

Kurz nach der Pleite der irischen Mutter Waterford Wedgwood meldet auch die Porzellanmanufaktur Rosenthal Insolvenz an. Die Hoffnung auf einen Investor will die traditionsreiche Firma jedoch so bald nicht aufgeben. Dabei stehen ihre Chacen gar nicht so schlecht.

LONDON/MÜNCHEN. „Die Gespräche werden natürlich weitergeführt“, sagte eine Firmensprecherin. Nach Informationen des Handelsblatts handelt es sich bei dem Interessenten nicht um den US-Finanzinvestor KPS, der große Teile der ebenfalls insolventen Muttergesellschaft Waterford Wedgwood übernehmen will.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Volker Böhm zeigte sich vorsichtig zuversichtlich. „Da es sich nur um eine Auswirkung aus der Insolvenz der Muttergesellschaft handelt, sehe ich gute Chancen für Rosenthal“, sagte er.

Nach der Pleite der irischen Mutter Anfang vergangener Woche hatte Rosenthal noch gehofft, allein weitermachen zu können. Die Rosenthal AG sei von dem Insolvenzverfahren ausgenommen, hieß es. Am Standort Selb hoffte man, die Verhandlungen mit dem Investor noch rechtzeitig abschließen zu können. Doch daraus wurde nichts. „Uns ist die Zeit zwischen den Fingern zerronnen“, hieß es in Unternehmenskreisen. Rosenthal begründete die schnelle Pleite damit, dass als unmittelbare Folge der Insolvenz von Waterford Wedgwood die vereinbarten Kreditlinien nicht mehr zur Verfügung gestanden hätten. Es sei nicht gelungen, die Liquidität abzusichern. Als Folge blieb dann am Freitag nur noch der Gang zum Amtsgericht Hof. Nach Einschätzung in Branchenkreisen ist ein möglicher Verkauf damit nicht einfacher geworden.

Rosenthal mit seinen zuletzt noch rund 1 600 Mitarbeitern gehört seit 1997 zu dem irischen Konzern und steckt seit längerem in finanziellen Schwierigkeiten. Eine Kapitalerhöhung im September schlug fehl. Im ersten Halbjahr 2008/09 sank der Umsatz erneut um fast sechs Prozent auf 71 Mio. Euro, der operative Verlust lag bei 7,1 Mio. Euro.

Für den irischen Mutterkonzern Waterford Wedgwood zeichnet sich eine Woche nach der Insolvenzanmeldung eine rasche Lösung ab. Das Unternehmen mit seinen weltweit 7 700 Beschäftigten teilte mit, es habe eine Absichtserklärung mit dem US-Finanzinvestor KPS Capital Partners unterzeichnet, der eine Reihe von Vermögenswerten der Gruppe kaufen wolle. Das schließe Teile des irischen Kristallglasherstellers Waterford, der britischen Porzellanfirmen Wedgwood und Royal Doulton und andere Vermögenswerte ein, hieß es nebulös. In Verhandlungskreisen verlautete, KPS strebe die Übernahme einer Mehrheit an der Waterford-Wedgwood-Gruppe ein, wolle aber bestimmte Immobilien und Anlagen ausklammern. Analysten halten die Verlagerung weiterer Produktionsteile nach Indonesien oder Polen für möglich, wo schon jetzt Teile der Produktpalette hergestellt werden.

KPS ist das Private-Equity-Haus, mit dem das Management von Waterford Wedgwood bereits seit Wochen intensiv über einen Einstieg verhandelt. Das New Yorker Unternehmen hat bereits 1,8 Mrd. Dollar in angeschlagene Unternehmen investiert, ohne sich auf eine bestimmte Branche festzulegen.

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