Position in Deutschland soll ausgebaut werden: Ölkonzern Eni setzt sich ehrgeizige Ziele

Position in Deutschland soll ausgebaut werden
Ölkonzern Eni setzt sich ehrgeizige Ziele

Der teilstaatliche italienische Mineralöl- und Gaskonzern konzentriert sich stärker auf das Kerngeschäft. Eni will in Zukunft schneller als die Konkurrenten wachsen und so den Abstand zur Weltspitze verkürzen.

MAILAND. Der italienische Mineralöl- und Gaskonzern Eni will in den kommenden Monaten seine Konzentration auf das Kerngeschäft vorantreiben. Jetzt gehe es darum, einerseits Randbereiche abzustoßen, andererseits die Position im europäischen Gasmarkt deutlich auszubauen und die Ölproduktion jährlich um 6 % zu steigern, sagte Vorstandschef Vittorio Mincato im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Aktuell ist die noch zu 30 % vom Staat kontrollierte Eni-Gruppe mit einer täglichen Fördermenge von mehr als 1,5 Mill. Barrel (ein Barrel entspricht 159 Liter) der sechstgrößte Mineralölkonzern der Welt. Obwohl der Abstand zu Platz fünf groß ist – Frankreichs Totalfina Elf fördert knapp ein Drittel mehr – bezeichnen Branchenexperten den Konzern aus Rom gern als den „kleinsten Major“.

Mincato sagte, dass Eni im Gegenzug zur Expansion das Engagement im Gastransport weiter reduzieren werde. „Wir haben bereits 40 % des Netzbetreibers Snam-Rete-Gas an die Börse gebracht. Nun beabsichtigen wir, in diesem Bereich unser investiertes Kapital schrittweise weiter zu verringern.“ Das zweite Geschäftsfeld, aus dem Eni zumindest teilweise aussteigen will, ist die Petrochemie. Hier seien Verkaufsbemühungen für die Elastomere (synthetischer Kautschuk) im Gange, die bis zum Sommer erfolgreich abgeschlossen werden sollen.

Man benötige aber einen Käufer, der bestimmte Garantien für die italienischen Standorte gebe, so Mincato. Mit der Aussage: „Danach werden wir uns Gedanken machen, was wir mit dem Rest der Petrochemie tun“, hält er sich alle Optionen offen, also auch einen vollständigen Verkauf. Eni macht mit der Chemie aktuell noch 10 % des Gesamtumsatzes von rund 49 Mrd. Euro. 2001 hatten die Italiener mit der saudi-arabischen Sabic schon über einen fast vollständigen Verkauf dieses Geschäftsfeldes verhandelt. Die Gespräche waren aber nicht zuletzt infolge der Weltlage nach dem 11. September ohne Ergebnis beendet worden.

Im Kerngeschäft Mineralöl will Eni dynamischer als die Branche wachsen. Die Analysten der Rasbank bezeichnen das jüngst verkündete Produktionsziel für 2006 von 1,8 Mill. Barrel täglich als aggressiv, glauben aber wie viele Experten an die hohe Qualität der Ölfelder, die Eni bearbeitet. Mincato: „Wir haben sehr hochwertige Assets, wie das Kaschagan-Ölfeld in Kasachstan. Daher können wir unsere Ziele ausschließlich auf Basis internen Wachstums erreichen.“

Eni hat sich zur Überraschung seiner größeren Konkurrenten vor knapp zwei Jahren die Führungsrolle bei der Erschließung dieses riesigen, im Kaspischen Meer gelegenen Ölfeldes gesichert. Ähnlich dem Einstieg von BP beim russischen Ölproduzenten TNK wird dieses Projekt in Fachkreisen als kluger Schachzug bewertet. Im vorigen Sommer ist auch die Frage nach dem Transport dieses Öls gelöst worden, nachdem sich die Partner inklusive Eni auf den Bau der bislang teuersten Pipeline der Welt vom Kaspischen Meer ans Mittelmeer geeinigt haben.

Große Pläne verfolgt der aktuell mit einer Marktkapitalisierung von 53,5 Mrd. Euro wertvollste italienische Konzern im Bereich Gas. Da Eni im Inland durch die Liberalisierung des Sektors in den nächsten Jahren erheblich Marktanteile abbauen muss, ist ein rapides Wachstum jenseits der Landesgrenzen geplant. Laut Strategieplan sollen dort bis 2006 jährlich 44 Mrd. Kubikmeter Gas gegenüber heute 3 Mrd. verkauft werden. Zu diesem Zweck hat Eni zuletzt 50 % der spanischen Union Fenosa Gas und – gemeinsam mit der Energie Baden Württemberg (EnBW) – 50 % des viertgrößten deutschen Gasversorgers GVS übernommen. „Deutschland stellt für uns eine Wachstumsalternative zu Italien dar“, sagt Mincato. Er schließt für die Zukunft nicht aus, gemeinsam mit der EnBW weitere Akquisitionen in Deutschland zu tätigen oder mit dem nun vollständig übernommenen Gashändler Italgas in Deutschland durchzustarten. Nach all diesen Zukäufen – insgesamt 5 Mrd. Euro im vergangenen Jahr – will Mincato erst einmal langsamer treten: „Sicherlich könnten wir bei guten Gelegenheiten zugreifen und weitere Zukäufe tätigen – wir wollen aber nicht wachsen um des reinen Wachstums willen.“

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