Post vom Spekulanten
Zocker buhlen um Condomi-Aktien

Hilflos mussten die Aktionäre der Condomi AG zusehen, wie ihre Aktien 98 Prozent ihres Wertes verloren. Inzwischen können sie ihre Papiere nicht mal mehr verkaufen – die Deutsche Börse hat Condomi vom Handel ausgesetzt. Nun aber wollen gleich zwei Interessenten mit seltsamen Namen den Aktionären ihre scheinbar wertlosen Anteilsscheine abnehmen.

DÜSSELDORF. In die seit Jahren brach liegende Condomi AG kommt plötzlich Leben. Zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Tagen werden die Aktionäre des Kölner Kondomherstellers Post von ihren Banken erhalten. Nach der Tokugawa AG aus Berlin macht nun auch EO Investors aus Düsseldorf ein Übernahmeangebot.

Beide Unternehmen bieten zehn Cent pro Aktie. Das Papier wurde zuletzt bei 56 Cent notiert, die Deutsche Börse nahm die Condomi-Aktie aber wegen verschiedener Verstöße schon am 20. Februar 2007 aus dem Handel. Die Condomi AG legt schon seit Jahren keine Bilanzen mehr vor, das Unternehmen hat nicht einmal mehr einen Briefkasten. Das Finanzamt Köln Nord stellte Ende Dezember 2006 einen Insolvenzantrag, der vom Amtsgericht eingesetzte Gutachter Jörg Bornheimer bemühte sich bisher vergeblich, den polnischen Vorstandsvorsitzenden der Condomi AG, Tadeusz Sobierajski (50), ausfindig zu machen.

EO Investors hat sich auf Fälle wie diese spezialisiert. Der Geschäftsführer Frank Scheunert (32) sagte dem Handelsblatt, er wolle mindestens fünf Prozent der Aktien, um mit diesen Stimmen dann eine außerordentliche Hauptversammlung zu erzwingen. Dort will Scheunert Sonderprüfungen durchsetzen und danach Schadenersatzklagen gegen den Vorstand und den Aufsichtsrat der Condomi AG führen. Scheunert rechnet damit, auf diese Weise mehr als zehn Cent pro Aktie zurückzuerlangen. Andere Investitionen von Scheunert sind Yukos (Russland) und Livedoor (Japan).

Die Condomi AG wurde 1988 in Köln gegründet und ging 1999 an die Börse. Anfang 2001 erreichte die Aktie mit 31,50 Euro ihren Höchstkurs, doch eine verfehlte Expansionsstrategie und teure aber erfolglose Ausflüge ins Mediengeschäft führten zum Absturz. 2003 hatte die Condomi AG 37 Millionen Euro Schulden - fast doppelt so viel wie Umsatz. 2005 übernahm die ehemalige polnische Tochterfirma Unimil die Verbindlichkeiten der Condomi AG und überführte dann die Markenrechte, Kundenverträge und Anteile an der hochmodernen Kondomfabrik in Erfurt ins eigene Unternehmen. Die Aktionäre der Condomi AG wurden zu diesen Transaktionen aber nicht gehört. Die letzte Hauptversammlung gab es 2002.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%