PPG greift an
Akzo Nobel wehrt sich gegen 21-Milliarden-Übernahme

Der weltgrößte Farbenhersteller wird zum Übernahmeziel: 21 Milliarden Euro bietet der US-Konkurrent PPG für Akzo Nobel. Die Niederländer weisen dies zurück und bieten ihren Aktionären eine Alternative.
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DüsseldorfIn der Chemieindustrie gewinnt die im vergangenen Jahr gestartete Übernahmewelle an Fahrt. Das nächste Objekt der Begierde ist die niederländische Akzo Nobel, der Weltmarktführer bei Farben und Lacken. Akzo hat eine Übernahmeofferte im Wert von 21 Milliarden Euro vom amerikanischen Konkurrenten PPG erhalten, wie der Konzern bestätigte.

Das Management hat das Angebot aber bereits als zu niedrig zurückgewiesen. PPG bietet den Angaben zufolge in bar und Aktien 83 Euro je Anteilsschein von Akzo Nobel. Das entspricht einem Premium von 29 Prozent über dem Schlusskurs der Niederländer von Mittwoch. Am Donnerstag schoss die Akzo-Aktie rund 14 Prozent auf 73 Euro in die Höhe.

Kämen beide Unternehmen zusammen, entstünde ein neuer weltweit führender Anbieter von Beschichtungen und Glas. Akzo Nobel verkauft Farbemarken wie die in Baumärkten erhältliche Dulux. Zudem ist das Unternehmen stark bei Industrielacken. Für rund eine halbe Milliarde Euro hatten die Niederländer vergangenes Jahr die Industrielack-Sparte von BASF übernommen. 2016 kam Akzo Nobel auf einen Umsatz von 14,2 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro.

PPG aus den USA ist führend in der Herstellung von Flachglas und bruchsicheren Gläsern für Autos und die Luft- und Raumfahrt. Zugleich produziert der Konzern Kunstharze, Farben und Autolacke sowie Beschichtungen für Gebäude, Flugzeuge und die Raumfahrt. PPG ist ähnlich groß wie Akzo: Der Umsatz lag 2016 bei 14,5 Milliarden Dollar, der operative Gewinn bei 1,9 Milliarden Dollar.

Die Führung von Akzo Nobel hat die Offerte einhellig zurückgewiesen – mit der in solchen Fällen üblichen Begründung, dass sie den wahren Wert des Unternehmens nicht widerspiegelt. Akzo wollte sich nicht dazu äußern, ob der Konzern zu neuen Gesprächen bereit sei, falls die Amerikaner ein höheres Angebot in Aussicht stellen.

Nun prüft das Management Alternativen, mit denen die Aktionäre bei der Stange gehalten werden könnten. Akzo stand zuletzt unter Druck, einige Investoren forderten die Aufspaltung des Konzerns, um den Aktienkurs nach oben zu bringen. Diese Aufspaltung könnte nun kommen, für der Vorstand um CEO Ton Buechner ist dies nach eigenen Angaben eine der möglichen strategischen Optionen, mit der er auf die Offerte aus den USA reagieren will.

Es würde zur Trennung von der Spezialchemiesparte führen. Sie produziert Stoffe für die Bauindustrie, zur Papierbehandlung und für Körperpflegeprodukte. Die Spezialchemiesparte kam 2016 auf einen Umsatz von 4,8 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn (Ebit) von 630 Millionen Euro. Akzo prüft derzeit einen Spin-off, also einen separaten Börsengang dieses Geschäfts, aber auch einen Verkauf.

Bei einem Verkauf könnten die Niederländer mit Einnahmen in Höhe von mehr als sieben Milliarden Euro rechnen, wenn man die derzeit gängigen Übernahme-Multiples in der Spezialchemie zugrunde legt. Im vergangenen Jahr hatte es in Branchenkreisen geheißen, dass der deutsche Spezialchemiekonzern Evonik an der Akzo-Spezialchemie interessiert sei. Die Essener haben in der Zwischenzeit anderweitig zugekauft, zeigten sich zuletzt aber offen für weitere Übernahmen.

Akzo ist nicht das einzige europäische Chemieunternehmen, das jüngst ins Visier amerikanischer Konkurrenten gerückt ist. So hat der US-Konzern Huntsman Ende 2016 beim Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant wegen einer Übernahme angeklopft, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Clariant ist an der Börse umgerechnet rund sechs Milliarden Dollar wert. Die Schweizer gelten schon länger als Übernahmekandidat, pochen aber bisher erfolgreich auf ihre Unabhängigkeit. Auch die Gespräche mit dem Huntsman-Management waren schnell mit einer Absage beendet.

Die Spezialchemiebranche befindet sich seit 2015 in einer Phase der Neuordnung. Viele Chemiekonzerne sortieren ihr Portfolio neu, verkaufen einzelner Segmente und verstärken im Gegenzug ihr Kerngeschäft. Branchenexperten gehen davon aus, dass die Übernahmewelle in diesem Jahr weitergehen wird.

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