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Stromkonzerne kämpfen ums Image

Immer höhere Strompreise bei immer höheren Konzerngewinnen, die Atomangst, Abzocke bei den Netzentgelten und dazu nun auch noch der Stromausfall vom vergangenen Wochenende: Deutschlands Energieversorger sind so unpopulär wie nie. In Berlin versuchen Deutschlands Stromkonzerne, ihr ramponiertes Image aufzubessern.

BERLIN. Wenn es drauf ankommt, lässt Volker Heck sich auch mal beschimpfen. Und das von einer Bühne, die der Kommunikationschef des RWE-Konzerns selbst aufstellen ließ. An diesem Tag beschimpft ihn Gerd Rosenkranz, der Leiter Politik der Deutschen Umwelthilfe (DUH).

Kein gutes Haar lässt Rosenkranz an Hecks Arbeitgeber. Eine Provokation sei es, eine längere Laufzeit für das Kernkraftwerk Biblis A zu beantragen. Damit kündige RWE den Kosens über den Atomausstieg einseitig auf und werde vertragsbrüchig.

Rosenkranz hat natürlich Publikum für seine Philippika gegen RWE – eingeladen wurden die Gäste von RWE selbst. Volker Heck sitzt neben Rosenkranz in der Hauptstadtrepräsentanz der Dresdner Bank am Berliner Platz. Anlass ist die Vorstellung des Buches „Sichere Energie im 21. Jahrhundert“, das RWE maßgeblich finanziert hat. Rosenkranz ist einer der Autoren. Ebenso wie Klaus Töpfer. Der Ex-Umweltminister und langjährige Chef des Uno-Umweltprogramms Unep sitzt neben Heck und Rosenkranz auf der Bühne. Er lässt keinen Zweifel daran, dass er die Kritik des DUH-Mannes teilt.

Immer höhere Strompreise bei immer höheren Konzerngewinnen, die Atomangst, Abzocke bei den Netzentgelten und dazu nun auch noch der Stromausfall vom vergangenen Wochenende: Deutschlands Energieversorger sind so unpopulär wie nie. In vielen Köpfen hat sich das Bild der profitgierigen, vierköpfigen Krake aus RWE, Eon, EnBW und Vattenfall festgesetzt, die sich um gesamtgesellschaftliche Verantwortung nicht schert. Politiker nutzen parteiübergreifend das miese Image aus und prügeln lustvoll auf die Branche ein.

Die Konzerne wehren sich, indem sie ihre Kritiker umarmen. Sie zeigen sich verständnisvoll. Sie räumen ein, nicht immer alles richtig gemacht zu haben. Im Idealfall, so das Kalkül, erkennen dann auch die schärfsten Kritiker ein menschliches Antlitz hinter den mächtigen Konzernen.

Bis dahin aber ist es wohl noch weit. „Im Ansehen der Öffentlichkeit rangieren wir direkt hinter den Produzenten von Kinderpornografie“, sagt ein Manager, der für einen der Konzerne in Berlin arbeitet.

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