PR-Debakel für VW-Chef Müller: „Das zweite Interview hilft gar nichts“

PR-Debakel für VW-Chef Müller
„Das zweite Interview hilft gar nichts“

Das verkorkste Interview von VW-Chef Müller schlägt hohe Wellen. Der Medienberater Martin Wohlrabe glaubt, der Vorfall könnte für den Konzern genauso verheerend sein wie einst der Fall Breuer bei der Deutschen Bank.

DüsseldorfMit seinem völlig missratenen Interview beim amerikanischen Radiosender National Public Radio hat VW-Chef Matthias Müller seinen Konzern ohne Not in Bedrängnis gebracht. Müller hatte versucht, den Emissionsskandal herunterzuspielen und ihn als technisches Problem bezeichnet. Das alarmierte die Presseabteilung von VW. Sie zog das Interview zurück und ließ es neu führen. Der Berliner Rechtsanwalt Martin Wohlrabe glaubt, dass das Interview VW noch teuer zu stehen kommen könnte. Wohlrabe betreibt in Berlin eine Medienberatung für Anwälte.

Herr Wohlrabe, was genau ist denn missraten an dem Interview von VW-Chef Müller?
Müller ist ohne Not vorgeprescht und hat emotional reagiert. Immer gefährlich, wenn hohe Summen auf dem Spiel stehen. Ein Beispiel für eine Kommunikation, bei der der juristische Horizont nicht sauber abgeklopft wurde, ist das Breuer-Interview: Der Deutsche-Bank-Chef äußerte 2002 Zweifel an der Liquidität der Kirch-Gruppe. Ein böser Rechtsstreit folgte. Das Interview kostete die Bank am Ende fast eine Milliarde Euro und führte zu Strafverfahren gegen Vorstände des Instituts.

Was hätte Müller denn Ihrer Meinung nach tun sollen?
Er hätte sich an die Sprachregelung von Volkswagen halten sollen. VW hat den Verstoß schließlich bereits in vollem Maße akzeptiert. So ein Fass ohne Not aufzumachen, ist unnötig. Wenn man auch sicher einschränkend sagen darf: Bei dem Druck, der gerade auf dem VW-Chef lastet, ist so eine Reaktion menschlich sicher gut nachvollziehbar.

Kann man denn ein Interview so einfach zurückziehen und eine zweite Version anbieten?
Es ist möglich, es hilft aber kommunikativ wenig und juristisch gar nichts. Die Aussagen sind nun einmal in der Welt – Staatsanwälte, Behörden und Sammelkläger werden versuchen, ihren Honig daraus zu saugen. Sie werden beispielsweise den Gerichten zeigen, wes Geistes Kind Volkswagen angeblich ist. Dies wiederum kann böse Folgen haben. Allein in der Zivilklage durch Justizministerium und Umweltbehörde stehen Strafzahlungen in Höhe von bis zu 90 Milliarden Euro auf dem Spiel.

Hätte Müller das lieber aussitzen sollen?
Darauf gibt es nicht die eine Antwort. Das Kind war ja bereits in den Brunnen gefallen. Persönlich hätte ich ihm auf jeden Fall auch dazu geraten, die Sache zurechtzurücken. Nur so kann VW etwas die gerade wieder mühsam errichtete Glaubwürdigkeitspyramide retten. Und wie wir wissen, können Reputationsschäden häufig Schadenersatzsummen um ein Vielfaches übersteigen.

Herr Wohlrabe, vielen Dank für das Interview.

Martin Tofern
Martin Tofern
Handelsblatt / Redakteur Unternehmen und Märkte
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