Präsident Putin besetzt die Kontrollgremien führender Konzerne mit seinen Vertrauten
Der Kreml regiert die Unternehmen

Der russische Staat weitet seinen Einfluss auf die Wirtschaft aus. Bislang hält die Regierung an acht der 20 größten Konzerne des Landes die Mehrheit, an zwei weiteren wesentliche Beteiligungen.

mbr HB MOSKAU. Erst kürzlich hat der russische Präsident Wladimir Putin engste Mitarbeiter, frühere KGB-Kameraden und die Top-Beamten seiner Kreml-Administration als Aufsichtsratschefs wichtiger Konzerne des Landes etabliert: bei der führenden russischen Fluggesellschaft Aeroflot, dem weltgrößten Gaskonzern Gazprom, dem staatlichen Ölkonzern Rosneft, dem Atombrennstoffhersteller Twel und dem Benzinpipeline-Monopolisten Transnefteprodukt. Zuvor hatte der Kreml- Herr schon die Chefposten der Kontrollgremien des Eisenbahnmonopolisten RSchD, der größten Reederei Sowkomflot, beim TV-Sender Erster Kanal und beim Strommonopolisten UES mit seinen Gefolgsleuten besetzt. Und die Vorsitzenden dieser so genannten Direktorenräte können in Russland viel stärker ins operative Geschäft eingreifen als als die Aufseher europäischer Unternehmen: In Russland lenken und kontrollieren die Direktoren die Geldströme.

Die wachsende Staatsmacht und die Vorgänge um den Ölkonzern Yukos haben zudem das Streben nach mehr Transparenz in den Unternehmen, wie sie westliche Investoren fordern, vielerorts beendet. Yukos hatte als erste russische Aktiengesellschaft die Anteile ihrer Mehrheitseigner veröffentlicht – das machte es der Staatsanwaltschaft leichter, gegen das Unternehmen und seine Gründer vorzugehen.

Bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage danach, wem die russische Wirtschaft heute gehört, hat die Ratingagentur Standard & Poor’s festgestellt: Die Besitzer von drei Vierteln aller in Privathand befindlichen Aktien der 50 größten russischen Unternehmen sind nicht bekannt. Dabei geht es um ein Aktienkapital von gut 100 Mrd. Dollar und Unternehmen, die 95 Prozent der russischen Marktkapitalisierung ausmachen. Yukos rutschte laut S&P von Platz elf auf 44 der offensten Konzerne, Konkurrent Sibneft von fünf auf Rang zehn. Nur Branchenprimus Lukoil verbesserte sich um zwei Stufen auf Nummer sechs. Transparent geben sich heute fast nur noch Konzerne mit vielen ausländischen Investoren, allen voran Telekomfirmen: Spitzenreiter ist der Ferngesprächsmonopolist Rostelekom, auf Rang drei und vier folgen die Mobilfunker MTS und Vimpel Communications. Nummer zwei ist der an der New Yorker Börse gelistete Lebensmittelkonzern Wimm-Bill-Dann.

Die Schuld für diese Missstände gibt die OECD in einem gerade erschienenen Report vor allem dem Staat: Denn „Regierung und Parlament haben wenig getan zur Stärkung der Justiz und der Marktaufseher“.

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