Preisdruck belastet
Stahlriesen ringen mit der Flaute

Die schwache Konjunktur belastet weltweit die Stahlhersteller. Bei Thyssen-Krupp kommt noch die fehlgeschlagene, milliardenschwere Expansion nach Brasilien hinzu. Deutschlands Vorzeigeunternehmen wird zum Sanierungsfall.
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Essen/SalzgitterFür Thyssen-Krupp kommt es knüppeldick. Der größte deutsche Stahlhersteller gilt wegen eines milliardenschweren Expansionsabenteuers in Brasilien ohnehin als einer der größten Sanierungsfälle unter den deutschen Großunternehmen. Er schreibt einen Verlust nach dem anderen. Und nun droht mit der sich eintrübenden Konjunktur auf dem Heimatmarkt eine weitere wichtige Stütze wegzubrechen. Thyssen-Krupp reagiert und führt Kurzarbeit in seinen Stahlwerken ein.

Die Stahlindustrie bekommt Konjunkturschwankungen stets als eine der ersten zu spüren. Deuten sich schlechtere Zeiten an, drückt das sofort auf die Bestellungen. Thyssen-Krupp spricht nun von „anhaltend schwachen Auftragseingängen“. Doch wie dramatisch ist die Lage wirklich? Oder ist es vielmehr ein Thyssen-Krupp-Problem?

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl als Verband für die Branche in Deutschland hatte bereits vor zwei Monaten ihre optimistische Prognose infrage gestellt. Der europäische Stahlverband Eurofer rechnet gar erst in frühestens einem Jahr wieder mit einem Aufschwung.

Der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller Salzgitter warnt aber vor Panik. Die Auftragslage aus den wichtigsten Abnehmerbranchen - Auto- und Maschinenbau - sei weiter gut, sagt ein Sprecher. „Kurzarbeit ist noch nicht einmal ansatzweise in der Diskussion.“ Von einer Krise sei in Deutschland noch nichts zu spüren.

Salzgitter leidet aber unter dem Preisdruck in der Branche, weshalb das Unternehmen bereits vor einem Monat die Hoffnungen auf einen Gewinn seiner Stahlsparte in diesem Jahr aufgab. Experten gehen im Schnitt davon aus, dass der Betriebsgewinn (Ebit) von Deutschlands zweitgrößtem Stahlkocher von April bis Juni um mehr als 70 Prozent auf 28 Millionen Euro eingebrochen ist.

Die Preise machen der Branche praktisch weltweit zu schaffen. Im zweiten Quartal brachen die Gewinne des südkoreanischen Konzerns Posco ebenso ein wie die des weltgrößten Stahlherstellers ArcelorMittal. Die Branche klagt seit dem Ende der Krise 2009 wegen der nicht enden wollenden Unsicherheiten in der Wirtschaft über noch größer gewordene Schwankungen.

Das liegt zum einen an einem geänderten Bestellverhalten der Stahlverarbeiter. Um nicht wieder mit vollen Vorräten von einem Einbruch wie nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers 2008 erwischt zu werden, ordern viele nur das Nötigste. Gerade in der zweiten Jahreshälfte hielten sie sich zuletzt zurück. Zugleich setzten die Eisenerzhersteller wie Vale, Rio Tinto oder BHP Billiton kürzere Preisbindungen durch, was Kalkulationen für die Stahlhersteller erschwert. Hinzu kommen die weltweit bestehenden Überkapazitäten. Vor allem China wird vorgeworfen, zu viel Stahl zu produzieren und so die Preise zu zerstören.

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