Preise für gebrauchte PET-Flaschen steigen dramatisch: Chinas Kaufrausch belastet Recycler

Preise für gebrauchte PET-Flaschen steigen dramatisch
Chinas Kaufrausch belastet Recycler

Deutschlands Kunststoff-Recycling-Betriebe müssen sich auf harte Zeiten gefasst machen. Für sie wird es immer schwieriger, an wertvolle Plastikabfälle aus dem Hausmüll zu gelangen. Damit geht ihnen zunehmend das Rohmaterial für die so genannte werkstoffliche Verwertung aus.

DÜSSELDORF. So paradox es klingt: Einen besonderen Engpass beklagen die Betriebe ausgerechnet bei den PET-Kunststoff-Flaschen. Die superleichten Getränkeverpackungen drängen seit dem Start des Einwegpfands Dosen und Glasflaschen aus den Verkaufsregalen, doch der Boom geht an den deutschen Recyclingfirmen gnadenlos vorbei.

Der Grund: Vor der Einführung der Rücknahmepflicht Anfang 2003 war das Duale System Deutschland (DSD) für die Verwertung der PET-Flaschen verantwortlich. Über ihre Verwertungsagentur DKR verkauften die Kölner den wertvollen Abfall – 2002 fast 62 000 Tonnen – direkt an die europäischen Recyclingbetriebe. Seit aber Aldi, Lidl & Co. ihre gebrauchten PET-Einwegflaschen selbst entsorgen müssen, schnappen chinesische Importfirmen den Recyclern den begehrten Sekundärrohstoff vor der Nase weg. Grob geschreddert und zu Ballen gepresst verschiffen sie die gebrauchten Mineralwasser-, Bier- und Limonade-Kunststoff–Flaschen ins Reich der Mitte. Aus ihnen entstehen dort zunächst Fasern für die Textilindustrie und anschließend Fleece-Stoffe, aus denen später Jacken und Hemden geschneidert werden.

„Die massive Nachfrage aus China hat den Markt leer gefegt“, klagt Herbert Snell, geschäftsführender Gesellschafter der Verwertungsfirma Multipet in Bernburg an der Saale. „Uns belastet das stark.“ Auch größere Wettbewerber wie Alba, Rethmann und Cleanaway, heißt es in der Branche, haben Mühe, ihre Recycling-Kapazitäten auszulasten. Dabei investierten viele von ihnen noch bis vor kurzem massiv in PET-Verwertungsanlagen. Allein Cleanaway eröffnete eine der größten PET-Recyclinganlagen Europas in Rostock. 535 000 Tonnen PET könnten jährlich in Europa wiederverwertet werden, schätzt eine Studie der Beratungsfirma Ascom. Doch von den knapp 450 000 Tonnen, die zuletzt in Europa eingesammelt wurden, gehen inzwischen rund zwei Drittel nach Fernost.

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