Preiserhöhung
Eon kann sich schwer rausreden

Diese Reaktion war abzusehen: Verbraucherschützer und Politiker kritisieren Deutschlands größten Energiekonzern Eon für seine Ankündigung, die Strompreise zum Jahreswechsel um bis zu zehn Prozent zu erhöhen. Aber sind die Preiserhöhungen wirklich überhöht und unbegründet? Wir gehen den angeführten Argumenten auf den Grund.

Eon verweist – wie die Konkurrenten – in erster Linie auf gestiegene Beschaffungskosten. Ist Strom auch für Eon teurer geworden?

Das stimmt zwar – aber nur zum Teil. Die regionalen Vertriebsgesellschaften, die nun ihre Preise anheben, müssen in der Tat mit deutlich höheren Kosten kalkulieren. Die Regionalgesellschaften decken sich – wie unabhängige Versorger auch – langfristig im Terminmarkt ein. Den Strom, den sie 2008 an ihre Privatkunden verkaufen, haben sie sich zum größten Teil 2006 im Großhandel gesichert. Damals lagen die Preise im Schnitt wesentlich höher als ein Jahr zuvor. Mitte 2006 kletterte der Preis je Megawattstunde Strom im Terminmarkt der Leipziger Strombörse EEX in der Spitze auf fast 60 Euro, ein Jahr zuvor hatte sie noch weniger als 40 Euro gekostet. Wann genau und zu welchen Preisen sich die Töchter eingedeckt haben, sagt Eon aber nicht.

Eon produziert doch aber selbst...

...das ist die andere Seite der Medaille. Eons Vertriebsgesellschaften müssen aus wettbewerbsrechtlichen Gründen zwar mit Marktpreisen kalkulieren. Den Strom der im Großmarkt gehandelt wird, liefern aber zu einem großen Teil Eon-Kraftwerke.

Und sind die Kosten für die Produktion gestiegen?

Nur zum Teil. In Folge des steilen Anstiegs des Ölpreises haben sich fast alle Rohstoffe verteuert – auch Steinkohle und vor allem Gas. Allerdings betreibt Eon auch zu einem hohen Anteil Kernkraftwerke, bei denen die Brennstoffkosten nur eine Nebenrolle spielen. Die Preise im Stromgroßhandel sind vor allem gestiegen, weil der hohen Nachfrage ein begrenztes Angebot an Kraftwerken gegenüber steht.

Verbraucherschützer werfen den großen Konzernen vor, dabei ihre Marktmacht auszunutzen und die Preise zu manipulieren. Ist der Vorwurf berechtigt?

In der Kritik steht immer wieder der Börsenpreis an der EEX, der auch in bilateralen Verträgen zwischen Erzeugern und Versorgern als Referenzgröße gilt. Die EEX konnte die Manipulationsvorwürfe aber immer wieder entkräften. In der Tat steigt das Handelsvolumen stetig und inzwischen handeln fast 180 Unternehmen an der Börse – neben den großen Konzernen auch Stadtwerke, spezialisierte Händler und Finanzinstitute. Andererseits mag zwar der Börsenhandel gut funktionieren, der zugrunde liegende Markt ist aber alles andere als perfekt. Die Kraftwerkskapazitäten liegen zu 80 Prozent in der Hand der vier großen Anbieter RWE, Eon, Energie Baden-Württemberg und Vattenfall Europe.

Und das schlägt sich in den hohen Konzerngewinnen nieder?

Ja. Während die Vertriebsgesellschaften von Eon oder auch RWE mit knappen Margen kalkulieren, um sich gegen die neuen Anbieter am Strommarkt zu behaupten, floriert in den Kraftwerkssparten der Unternehmen das Geschäft. In diesen Bereichen verbuchen die Unternehmen hohe zweistellige Renditen. RWE Power etwa wies 2006 eine Rendite auf das eingesetzte Kapital von 40 Prozent aus.

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