Preiserhöhungen
Carsharing soll aus den roten Zahlen rasen

Mit Lockangeboten und Preisnachlässen haben die Autohersteller die Kundenzahlen ihrer Carsharing-Angebote hochgetrieben. Nun soll sich das Investment für die Hersteller auszahlen.
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DüsseldorfDie urbane Mittelschicht fährt wieder Auto. Schuld daran sind vor allem die Carsharing-Angebote der Autohersteller in deutschen Großstädten: Mehr als 453.000 Autofahrer waren im vergangenen Jahr mindestens einmal mit einem Carsharing-Fahrzeug unterwegs. Das Konzept, ein Auto minutengerecht zu mieten, ohne sich Gedanken um Versicherung oder Parkgebühren machen zu müssen, lockt insbesondere junge Kunden an, die sich eigentlich kein Auto leisten können oder wollen.

Das Wachstum ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer ausgeklügelten Marketingstrategie. In der Fußgängerzone, auf Musikfestivals und auf Schnäppchenportalen im Internet - wo immer die junge Zielgruppe zu finden ist, werben die Hersteller mit Freiminuten und Preisnachlässen für ihre Carsharing-Töchter.

Mit ihrer offensiven Werbung haben die Hersteller das Carsharing aus der Ökonische befreit. Seit BMW, Daimler und Citroën mitmischen, haben die Mitgliederzahlen in den deutschen Großstädten rasant zugenommen: Sie stiegen binnen eines Jahres bis Ende 2012 um fast 500 Prozent auf rund 183.000 - und überflügeln das Wachstum der ökologisch motivierten Carsharing-Pioniere. Doch bei aller Freude über die wachsende Beliebtheit haben die Hersteller ein Problem. Durch die hohen Investitionen und Lockangebote ist bisher keines ihrer Angebote rentabel. Das soll sich nun ändern.

Innerhalb einer Woche haben alle großen Hersteller angekündigt, ihre Preisstruktur zu überarbeiten. Besonders DriveNow, das Carsharing von BMW und Sixt, hat die Preise dabei deutlich erhöht. Im normalen Tarif, der immer noch den Großteil des Geschäfts ausmacht, wurden die Preise um mindestens zwei Cent pro Minute angehoben. „Die Kosten für Benzin und Parkplätze haben sich erhöht“, begründet BMW die Entscheidung.

Dabei ist die vermeintlich kleine Tarifumstellung ein Paradigmenwechsel: Pakete, die einen günstigen Minutenpreis möglich machen, sind künftig nur noch 30 Tage gültig. Das ungenutzte Guthaben verfällt nach Ablauf des Stichtags. Ohne Kündigung wird jeden Monat wieder abgebucht. Faktisch hat BMW damit ein Abomodell eingeführt, wie man es von Mobilfunkanbietern kennt.

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  • Also hier in Berlin sind wirklich viele mit zb. car2go unterwegs. Aber jeder der auch nur ansatzweise mal versucht hat im Prenzlauer Berg einen Parkplatz zu finden und die dabei immer weiter laufenden Kosten im Nacken zu haben ist nicht wirklich begeistert. (Ich wohne dort und kenne die Problematik zur genüge...)Letztendlich ist es nur ein Taxi zum selber fahren, wobei man hier noch einen Parkplatz suchen muss. Gerade in der Innenstadt die ja entlastet werden soll, ist es ein zweischneidiges Schwert.

  • Auch in Kleinstädten wird CarSharing kommen. Es kann dort bspw. den nur selten benutzten Zweitwagen ersetzen. Oder Sonderbedarf abfedern, wie die gelegentlich gebrauchte Großraumlimousine.

    Aber bis Kleinstädter das in die Köpfe kriegen ...

  • Carsahring lohnt nur für Großstädte und für Regionen mit gut ausgebautem ÖPNV und für Wenigfahrer. Es lohnt sich aber nicht, wenn jemand jeden Tag ein Carsharingauto belegen müsste. Viele müssen nunmal flexibel fahren können. Im ländlichen Raum braucht man eh oft ein Auto, weil der Arbeitgeber oft weiter weg liegt und man nicht ständig umziehen kann.

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