Preiserhöhungen
Logistikkosten belasten Unternehmen

Der unermessliche Rohstoffhunger insbesondere Chinas und Indiens stellt die globale Verkehrswirtschaft vor wachsende Probleme und treibt die Transportkosten in die Höhe. Der rasante Anstieg der Frachtraten bei den Rohstoffen verteuert auch deutsche Produkte.

mjh/ire DÜSSELDORF. Der rasante Anstieg der Frachtraten bei den Rohstoffen verteuert deutsche Produkte. „Seit 2003 sind die Kosten für den Überseetransport um 175 Prozent in die Höhe geschossen“, sagt Dieter Ameling, der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl.

Auf Basis der aktuellen Tagespreise ist der Transport beispielsweise von Eisenerz teurer als der Einkaufspreis. Während die Reeder für den Transport von einer Tonne Feinerz von Brasilien nach China 88 Dollar pro Tonne verlangen, schlägt der für die Stahlerzeugung wichtige Rohstoff auf Basis der aktuell gültigen Jahrespreise nur mit 60 Dollar zu Buche. Der britisch-niederländische Stahlkonzern Corus hat sich deshalb für 135 Mill. Dollar eigens einen Massengutfrachter gechartert, um die Kosten kontrollieren zu können.

Die stark gestiegenen Frachtraten bei Massengütern treffen auch die Lebensmittelindustrie über den Transport von Getreide, das zu Mehl oder Glukose weiterverarbeitet wird. Während beispielsweise allein der Preis für eine Tonne Weizen an der Pariser Warenterminbörse Matif in nur anderthalb Jahren von 100 auf rund 250 Euro stieg, zogen die Kosten für den Transport von den USA nach Europa laut der Agravis Raiffeisen AG von etwa 20 auf rund 70 Euro pro Tonne an – eine Steigerung von 350 Prozent.

Aber auch der Transport auf der Kurzstrecke beispielsweise vom Mittellandkanal nach Holland verteuerte sich von rund fünf auf etwa 7,50 Euro pro Tonne Getreide – ein Plus von immerhin noch 50 Prozent. Die in Münster ansässige Agravis ist mit einem Umsatz von rund vier Mrd. Euro einer der größten deutschen Vermarkter von Agrarprodukten. Allein von der deutschen Weizenernte im Umfang von etwa 20 Mill. Tonnen jährlich wird rund ein Viertel von Agravis bewegt. „Die hohen Logistikkosten spielen natürlich beim Handelsgeschäft mit Getreide eine große Rolle und werden auch entsprechend an den Markt weitergegeben“, berichtet Clemens Große Frie, Agravis-Vorstandsvorsitzender.

Künftig komme es deshalb immer mehr auch auf die Betrachtung der Logistikkosten an, die in der Handelskalkulation deutlich an Gewicht gewinnen würden, ergänzt der Agravis-Chef. In den derzeitigen Verhandlungen über Preiserhöhungen in der Ernährungsindustrie – die Gebäckhersteller beispielsweise fordern vom Handel etwa zehn Prozent mehr – sind die gestiegenen Logistikkosten zwar schon berücksichtigt. Doch nach Einschätzung der EU-Kommission ist auch in Zukunft mit weiter steigenden Preisen für Agrarerzeugnisse zu rechnen – bis 2014 mit einem Aufschlag von mindestens einem Fünftel.

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