Preiserhöhungen sollen US-Autofirmen helfen
Toyota-Chef sorgt sich um General Motors und Ford

Die stark angeschlagene Gesundheit der beiden führenden US-Autokonzerne General Motors (GM) und Ford stimmt offenbar ihre japanischen Wettbewerber nachdenklich – obwohl diese den US-Konzernen auf ihrem Heimatmarkt im vergangenen Jahr so viele Marktanteile wie noch nie abnehmen konnten. Der Toyota-Chef plädierte gar für Preiserhöhungen.

PORTLAND. Toyota-Chef Hiroshi Okuda äußerte vor japanischen Journalisten in Tokio die Befürchtung, dass eine weitere Verschlechterung bei GM und Ford sich auf die japanischen Autobauer auswirken könnte – in Form von Protektionismus von Seiten der Amerikaner. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Wirtschaftsverbandes Keidanren plädierte Okuda für Preiserhöhungen in den USA und für eine verstärkte technische Zusammenarbeit, um den US-Konkurrenten „Zeit zu geben, Atem zu schöpfen und aufzuholen“.

Die offenbar politisch motivierten Aussagen wurden von Toyota-Sprechern umgehend relativiert oder dementiert. Okuda habe sich als Lobbyist geäußert, hieß es in Tokio. Von geplanten Preiserhöhungen wisse er nichts, sagte ein Sprecher in Kalifornien.

Gleichwohl sind Okudas Sorgen nicht unbegründet. Anfang der 1980er Jahre, als japanische Firmen ihre Autos nicht schnell genug liefern konnten, während GM und Ford kurz vor der Pleite standen, führte die US-Regierung Importbeschränkungen ein und zwang so Nippons Hersteller zur Ansiedlung von Werken in den USA. In Anspielung daran sagte Okuda, er rechne nicht mit Handelskonflikten wie in der Vergangenheit, aber die Autofirmen hätten in den USA nicht nur ökonomische, sondern auch symbolische Bedeutung.

In der vergangenen Woche meldete GM für das erste Quartal 1,1 Mrd. Dollar Verlust und weigerte sich, eine Prognose für den Rest des Jahres zu stellen. Fords Gewinn brach um fast 40 Prozent ein, das Unternehmen rechnet für das zweite Quartal bestenfalls mit einer schwarzen Null. Dagegen erwirtschaften die großen japanischen Hersteller Toyota, Honda und Nissan nicht nur hohe Gewinne, sondern sie bauen ihre Produktion in den USA aus.

Im ersten Quartal verkauften japanische Marken fast jedes dritte Auto in den USA. Obwohl Chrysler gegenüber dem Vorjahr zulegte, sackte der Marktanteil der großen Drei auf ein historisches Tief von 58 Prozent. Toyota allein erzielte 12,9 Prozent Marktanteil, gegenüber Chryslers 14,7 Prozent.

Weil japanische Hersteller in erster Linie wegen attraktiverer Modelle, modernerer Technologie, sparsamerer Motoren und höherer Qualität bei US-Käufern ankommen, bezweifeln Analysten, dass Preiserhöhungen die Nachfrage nach japanischen Autos stark dämpfen könnten. Sie würden allerdings den US-Marken erlauben, ihre Preisnachlässe etwas zurückzunehmen und damit ihre Ergebnisse aufzubessern.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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