Preiserhöhungen
Stromlieferanten wehren sich

Die Politik will der Verteuerung des Stroms einen Riegel vorschieben, indem sie die Preisaufschläge verbietet. Mit der Maßnahme trifft sie aber womöglich die Falschen: die kleinen Stadtwerke. Die vier großen Stromkonzerne verdienen auch weiterhin gut.

DÜSSELDORF/BERLIN. Stadtwerke und Regionalversorger wollen zum Jahreswechsel bundesweit ihre Tarife für Haushalte und Gewerbekunden erhöhen und begründen dies mit gestiegenen Kosten für den Einkauf von Strom. In den meisten Ländern müssen die Wirtschaftsministerien die Tarife genehmigen. Am Wochenende hatte Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel angekündigt, sämtliche Anträge auf Strompreiserhöhungen abzulehnen, weil sie sich nicht mit höheren Kosten rechtfertigen ließen. Mehrere seiner Kollegen in den anderen Ländern zogen nach und gaben bekannt, beantragte Strompreiserhöhungen drastisch zu kürzen.

In der Strombranche hieß es, die Ministerien prüften in diesem Jahr besonders kritisch. „Das ist reiner Populismus“, kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen, Michael Schöneich, die pauschale Ablehnung in Hessen. Die Unternehmen hätten einen Rechtsanspruch auf Einzelfallprüfung jedes Antrags.

Auch die einzelnen Versorger in Hessen wehren sich. „Es dürfen nicht alle gleich behandelt werden“, sagte Karl-Heinz Koch, Geschäftsführer der Darmstädter Entega. Entega sei eine reine Vertriebsgesellschaft ohne eigene Kraftwerke, die ihren Strom im Großhandel kaufen müsse. „Wir haben keine anderen Stellschrauben, an denen wir drehen können, um die höheren Kosten aufzufangen“, sagte er. Die Kalkulationen seien transparent und nachprüfbar.

„Unsere Einkaufspreise sind nachweisbar massiv gestiegen“, klagt auch der Vorstandschef der Energieversorgung Offenbach (EVO), Matthias Brückmann. Er warf Riehl vor, eine politische Entscheidung getroffen zu haben. Der Fachreferent im hessischen Wirtschaftsministerium habe die geplante Erhöhung geprüft und dem Antrag bereits Ende November zugestimmt. „Einen Preisstopp gegen das Votum der eigenen Fachleute, das hat es noch nie gegeben.“ Aus Brückmanns Sicht trifft das Einschreiten der Ministerien nicht die wahren Schuldigen der Preissteigerungen. Ausschlaggebend dafür sei vielmehr die Marktmacht der vier großen Versorger Eon, RWE, Vattenfall Europe und EnBW bei der Stromerzeugung.

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