Preisexplosion
Kraftwerks-Projekten droht das Aus

Der dramatische Preisanstieg für neue Kraftwerksanlagen gefährdet die dringend nötige Modernisierung der deutschen Stromproduktion. Erste Projekte wurden bereits abgesagt, weitere stehen auf der Kippe. Dies könnte negative Auswirkungen für die Entwicklung des Wettbewerbs und die Strompreise haben.

DÜSSELDORF. „Der Markt für Großanlagen ist dermaßen überhitzt, dass sich die Investition für uns zurzeit nicht rechnet“, sagt Rolf Martin Schmitz, Vorstandsvorsitzender der Kölner Rhein-Energie. Der Kommunalversorger hat vor wenigen Wochen die Planungen für ein 800 Megawatt starkes Steinkohlekraftwerk im Stadtteil Niehl zurückgestellt. Innerhalb eines halben Jahres seien die Preise, die man angeboten bekommen habe, um 20 bis 25 Prozent geklettert. „Wir sind zu spät gekommen, die Kapazitäten sind schon ausgelastet – vor allem durch die Großen“, sagt Schmitz.

Die Bremer SWB sagte den Bau einer Kohleanlage ab. Das Projekt war zwar auch politisch umstritten, ausschlaggebend seien aber die Preissteigerungen gewesen, heißt es. Die Stadtwerke Bielefeld verzichten auf ein Heizkraftwerk. Noch zu Jahresbeginn seien die Kosten mit 160 Mill. Euro veranschlagt worden, erläutert ein Sprecher. Inzwischen würde es 210 Mill. Euro kosten.

Nach Erkenntnissen des Marktforschungsunternehmens Trend-Research, das regelmäßig Anlagenbauer und Versorger befragt sowie die angekündigten Projekte beobachtet, sind von den 50 bekannten Vorhaben nur 19 Prozent im Bau. 22 Prozent wurden bereits – zumindest vorläufig – eingestellt. 14 Prozent sind noch in einer frühen Phase. Trend-Research hat ebenfalls einen deutlichen Preisanstieg beobachtet: Innerhalb von drei Jahren haben sich die Preise für ein Steinkohlekraftwerk fast verdoppelt – auf derzeit rund 1 500 Euro je Kilowatt Leistung.

Bei einzelnen Komponenten sieht es nicht viel besser aus. Seit etwa anderthalb Jahren gebe es weltweit eine solch hohe Nachfrage, dass sich alle wichtigen Großkomponenten deutlich verteuert hätten – Kessel, Turbinen, Generatoren, Dampfleitungen und Wärmetauscher, bestätigt ein Eon-Sprecher und präzisiert: „Die Preissteigerungen liegen dabei meist in einer Größenordnung von 30 bis 50 Prozent, in Einzelfällen sogar noch höher.“

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