Preisgestaltung
Kartellamt überprüft Stromkonzerne

Das Bundeskartellamt untersucht die Preisgestaltung der Stromversorger. Die 60 größten Unternehmen der Branche müssen der Behörde darüber bis Anfang Mai in umfangreichen Fragebögen Auskunft geben

HB DÜSSELDORF. Das Bundeskartellamt hat die Preisgestaltung von Eon, RWE und mehreren Dutzend weiteren Stromversorgern ins Visier genommen. Dabei gehe es um die Großhandelspreise, sagte ein Sprecher der Behörde am Freitag. Die Unternehmen müssten bis Anfang Mai einen Fragenkatalog beantworten. „Man sieht sich auf diese Weise Märkte an, wo man vermutet, dass der Wettbewerb möglicherweise eingeschränkt oder verfälscht ist.“ Die Behörde gehe aber keinem konkreten Verdacht nach.

Das Kartellamt hat von den Unternehmen unter anderem kostenbezogene Daten der Stromerzeugung und Angaben zur Einsatzplanung der Kraftwerke angefordert. Die Ergebnisse der Sektoruntersuchung könnten zu einem Verfahren führen, sagte der Sprecher. Die Untersuchung selber sei aber nur ein Instrument, um sich die Märkte genauer anzuschauen. Sie werde mehrere Monate dauern. Die Befragung decke 90 Prozent der deutschen Erzeugungskapazität ab. Neben Eon und RWE würden auch EnBW und Vattenfall befragt.

In den vergangenen Jahren waren immer wieder Vorwürfe laut geworden, die Konzerne würden Kraftwerkskapazitäten zurückhalten, um damit die Großhandelspreise in die Höhe treiben. Konzerne wie Eon und RWE haben dies stets vehement zurückgewiesen. Die Großhandelspreise werden an der Leipziger Energiebörse EEX gebildet, an der über 200 Unternehmen aus 19 Ländern Europas ihren Strom verkaufen.

„Eon stellt dem Kartellamt alle gewünschten Informationen zur Verfügung“, sagte ein Sprecher. Es gehe nicht um einen Missbrauchsverdacht, sondern um eine Marktuntersuchung. „Es hat bereits viele Untersuchungen zum Großhandel an der Leipziger Börse gegeben, bei denen sich kein Verdacht bestätigt hat.“

RWE verwies darauf, 2007 mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG seinen Spotmarkt-Großhandel untersucht zu haben. „KPMG und die EEX haben bestätigt, dass RWE nicht manipuliert oder Stromkapazitäten verknappt hat“, sagte eine Sprecherin. Am sauberen Verhalten des Konzerns habe sich seitdem nichts geändert.

Die Wettbewerbshüter in Deutschland und bei der Europäischen Kommission in Brüssel haben ihre Gangart gegenüber dem Strom- und Gaskonzernen zuletzt deutlich verstärkt. Die Behörden haben mehrere Wettbewerbsverfahren eröffnet. Unter dem Druck der EU-Kommission hatte Eon im vergangenen Jahr den Verkauf seines Höchstspannungsnetzes in Deutschland und RWE die Veräußerung seines Ferngasnetzes angekündigt.

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