Preiskampf bald vorbei?
Pharmahandel will aus dem Margentief

Der zweitgrößte Pharmagroßhändler in Deutschland, die Andreae-Noris Zahn AG, blickt nach einem schwierigen Geschäftsjahr 2007/08 wieder optimistischer in die Zukunft. Der Konzern erwartet eine deutlich bessere Ertragslage in Deutschland und möchte seinen Umsatz steigern. Grund für diese Zuversicht ist der nachlassende Preiskampf unter den Pharmagroßhändlern.

FRANKFURT. „Wir erwarten, dass sich die Ertragslage im Inland deutlich verbessern wird“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Andreae-Noris Zahn AG (Anzag) Thomas Trümper am Donnerstag bei der Vorlage der Zahlen für das am 31. August beendete Geschäftsjahr. Relativ optimistisch für das kommende Jahr hatte sich vor zwei Wochen auch die Celesio AG geäußert, deren Pharmagroßhandelstochter Gehe hinter Phoenix und Anzag die Nummer drei im deutschen Markt ist. Die oligopolistisch strukturierte Branche beliefert die rund 21 500 Apotheken in Deutschland.

Grund für die Zuversicht von Anzag-Chef Trümper ist zum einem, dass der ruinöse Preiskampf der Pharmagroßhändler untereinander seit dem Sommer deutlich nachgelassen habe. Bei Margen nahe der Nulllinie war der Spielraum für Rabatte eng geworden. Außerdem will Anzag seine Produktivität weiter steigern. Schließlich geht das Unternehmen davon aus, dass der Arzneimittelmarkt in Deutschland im laufenden Geschäftsjahr um vier Prozent wachsen wird.

Insgesamt will der Anzag-Konzern seinen Umsatz von 3,8 auf vier Mrd. Euro steigern, wobei der Prognose zufolge etwa 92 Prozent aus dem Pharmagroßhandelsgeschäft in Deutschland kommen sollen. Das Ergebnis vor Steuern im deutschen Großhandelsgeschäft soll auf etwa 18 Mio. Euro mehr als verdoppelt werden. Die Marge würde sich somit von 0,24 auf 0,48 Prozent erhöhen. Das ist für Anzag-Chef Trümper zwar immer noch kein zufriedenstellender Gewinn, aber immerhin eine deutliche Verbesserung.

Branchenführer Phoenix hatte in seinem Ende Januar beendeten Geschäftsjahr eine Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund einem Prozent erzielt; sie liegt also etwa doppelt so hoch ist wie der vergleichbare Anzag-Wert. Celesio weist den Gewinn für den deutsche Großhandel nicht gesondert aus: Europaweit liegt die Ebit-Marge in den ersten neuen Monaten 2008 bei rund zwei Prozent vom Umsatz und damit leicht unter dem Vorjahreswert.

Auch wenn der Großhandel in Deutschland traditionell eher niedrige Spannen hat, liegen die Marge im Pharmabereich noch deutlich unter denen anderer Handelsfirmen: Der Kiosk- und Tankstellenlieferant Lekkerland beispielsweise hat zuletzt 1,6 Prozent Ebit-Marge erzielt.

Druck auf den Gewinn der Pharmahändler macht vor allem das Direktgeschäft der Pharmaunternehmen selbst. Indem diese hochpreisige Produkte direkt an die Apotheken liefern, fehlt den Händlern die lukrative Spanne, mit der sie die Bereitstellung billiger Arzneimittel, die oft nicht kostendeckend ist, querfinanzieren. Rund 17 Prozent des Umsatzes mit Arzneimitteln entfallen laut Anzag-Chef Trümper mittlerweile auf das Direktgeschäft. Deswegen wirbt der Branchenverband Phagro, dessen Vorsitzender Anzag-Chef Trümper ist, bei der Bundesregierung seit einiger Zeit für ein neues Vergütungssystem.

Die Einführung neuer Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Pharmaunternehmen wird nach Ansicht von Trümper keine große Auswirkung auf die Marge des Großhandels haben, auch wenn verstärkt günstigere Medikamente ausgegeben werden. Was den Gewinn angeht, so setzt Trümper sowieso mehr auf das Ausland, das zwar nur acht Prozent Anteil am Umsatz des Anzag-Konzerns hat, aber rund ein Viertel zum Gewinn beiträgt. Anzag ist in Rumänien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und seit kurzem auch in Litauen vertreten.

Die Anzag AG ist mehrheitlich im Besitz der großen Pharmagroßhändler Phoenix, Celesio, Sanacorp und Noweda sowie Alliance Boots aus Großbritannien. Im Geschäftsjahr 2007/2008 war trotz eines Umsatzanstiegs um 3,5 Prozent auf 3,8 Mrd. Euro der Überschuss um 82 Prozent auf 7,2 Mio. Euro eingebrochen – unter anderem wegen Steuereffekten. Die Aktionäre sollen eine von 1,45 auf 1,10 Euro je Aktie gekürzte Dividende erhalten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%