Preiskampf in Osteuropa: Bauindustrie fordert Chancengleichheit

Preiskampf in Osteuropa
Bauindustrie fordert Chancengleichheit

Die deutsche Bauwirtschaft fordert Chancengleichheit bei der europaweiten Vergabe von Infrastrukturprojekten, die aus EU-Mitteln finanziert werden.

agr BERLIN. „Die deutsche Bauwirtschaft, mit einem EU-Nettozahlerland als Heimatstandort, muss bei der Bewerbung um diese geförderten Projekte dieselben Chancen haben wie die Bauunternehmen aus den Beitrittsländern“, forderte Hans-Peter Keitel, Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie und Chef des Baukonzerns Hochtief, auf einem Baukongress in Berlin. Gegen die Billiglohnkonkurrenz aus den neuen EU-Beitrittsländern Osteuropas könnten deutsche Bauunternehmen den Preiswettbewerb nicht gewinnen. Keitel fordert daher einen Qualitätswettbewerb um technisch anspruchsvolle Projekte. Planungs- und Ausführungskompetenz sowie Kompetenzen bei Dienstleistungen rund um das Bauwerk sollten dabei den Ausschlag geben, nicht allein der Preis.

Von den neuen Märkten in Osteuropa gehen die stärksten Impulse für die europäische Baukonjunktur aus. Dort locken Milliardenaufträge. Während das Bauvolumen in Europa laut Volker Rußig vom Ifo-Institut bis 2008 ein Plus von zwei Prozent erreichen wird, wächst es in den EU-Beitrittsländern kräftig: Für Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn rechnet das Institut mit einem Plus von bis zu acht Prozent. Der Ausbau der Infrastruktur wächst sogar mit zweistelligen Raten, in Ungarn zum Beispiel um zwölf bis 18 Prozent. Die Länder profitieren nachhaltig von EU-Fördermitteln. Nach Plänen des EU-Rates stehen den neuen Mitgliedstaaten sowie Rumänien und Bulgarien von 2007 bis 2013 insgesamt 157 Mrd. Euro zur Verfügung. Während aber deutsche Großkonzerne wie Hochtief, Bilfinger Berger oder die Strabag-Gruppe auf ihre Auslandstöchter ausweichen können, hat der zumeist auf das Deutschland-Geschäft konzentrierte Mittelstand oft das Nachsehen – auch in Westeuropa. Arndt Frauenrath, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, bemängelte auch hier „einen alles andere als fairen Wettbewerb“. In den Niederlanden müssten deutsche Firmen monatelang auf eine Parkerlaubnis für ihre Fahrzeuge warten. In Dänemark würden Baustellen von Gewerkschaften geschlossen, wenn die Arbeitnehmer keine Mitglieder seien. Luxemburg verlange eine technische Überprüfung von Kränen und anderen Baumaschinen, selbst wenn sie gerade vom Tüv auf Herz und Nieren überprüft worden seien. Beispiele für die Behinderung der grenzüberschreitenden Dienstleistungen in der EU, so Frauenrath, füllten bei der EU-Kommission Aktenordner.

Laut Ifo-Institut ist das europäische Bauvolumen 2004 um 2,2 Prozent auf 1,2 Bill. Euro gestiegen. Trotz jahrelanger Baukrise habe Deutschland die Spitzenposition mit einem Anteil von 17 Prozent behalten, gefolgt von Großbritannien (15,2), Italien (14,7), Frankreich (13,8) und Spanien (12). Zusammen erreichen die „Big Five“ fast drei Viertel des gesamten Bauvolumens.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%