Preispolitik
Fiat-Chef wirft VW ein „Blutbad“ vor

Die Fronten zwischen den europäischen Autobauern verhärten sich. In einem Interview attackiert Fiat-Chef Sergio Marchionne Volkswagen für seine Preispolitik. Seine Wortwahl dabei ist harsch.
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Marchionne wirft dem deutschen Konzern eine rücksichtslose und zerstörerische Preispolitik vor. „Bei der Preisgestaltung gibt es ein Blutbad. Das ist ein Blutbad bei den Margen“, zitiert ihn die „New York Times“. Indem die Wolfsburger aggressive Rabatte gewährten, nutzten sie die Krise, um Marktanteile zu gewinnen.

Als Hintergrund der Äußerungen von Fiat-Chef Marchionne gelten die Absatzprobleme des italienischen Autobauers. Der Fahrzeugmarkt in der EU ist seit Monaten auf Talfahrt, vor allem in den Euro-Krisenländern Spanien und Italien, aber auch in Frankreich. Dies trifft vor allem die Hersteller hart, die von Europa abhängig sind - neben der europäischen Nummer zwei, PSA Peugeot Citroën, sind dies auch Opel und Fiat. Sie kämpfen mit Überkapazitäten.

Im Europageschäft fuhren die Italiener im ersten Quartal einen Verlust von 273 Millionen Euro ein. Nur die Gewinne der US-Tochter Chrysler halten Fiat noch in den schwarzen Zahlen.

Fiat-Chef Sergio Marchionne will darum nicht nur das Wachstum in den USA vorantreiben. Der Italiener, der auch Präsident des Branchenverbands Acea ist, fordert die Politik aber vor allem die Konkurrenz zum Handeln auf.  Zuletzt appellierte er an die EU-Kommission in Brüssel, den angeschlagenen europäischen Autobauern finanzielle Hilfe zu gewähren, um die notwendigen Abbau von Überkapazitäten voranzutreiben.

Zuletzt hatte der Fiat-Chef angekündigt, als Reaktion auf den Absatzschwund die Investitionen in Europa um eine halbe Milliarde auf sieben Milliarden Euro zusammenzustreichen. Der lange erwartete Kleinwagen Grande Punto solle später auf den Markt kommen.

Mit seinen Forderungen nach staatlicher Hilfe steht Marchionne in Europa allerdings weitgehend alleine da. Doch die Branche, die in Europa zwölf Millionen Beschäftigte zählt, ist uneins über den Ruf nach Staatshilfe. Besonders aus Deutschland bekommen die Italiener Gegenwind.  Volkswagen  und die deutschen Premiumhersteller Audi, BMW und Daimler, lehnen jegliche Staatshilfe ab.

Auch der koreanische Hyundai-Kia-Konzern und die amerikanische Opel-Schwestermarke Chevrolet, die ihre Autos in Korea produziert, agieren so erfolgreich in Europa, dass sie keine staatliche Unterstützung benötigen.

Marchionne fordert von der EU-Kommission Geld für die Schließung von Werken und verlangte er Einfuhrzölle für asiatische Konkurrenten.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Preispolitik: Fiat-Chef wirft VW ein „Blutbad“ vor"

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  • Der Chef will blos von eigenen Problemen ablenken. Chrysler zu übernehmen war schonmal schwach. Noch schwächer ist das Qualitätsimage und da ist in Europa VW die Nummer 1.
    Fiat hat doch die Leute seit den 70ern veräppelt. Guckt doch mal, wie lange die Halbwertszeit von den Kisten ist.

  • So ein Esel. Fiat fällt in Westeuropa zurück WEIL der nächste Punto so lange auf sich warten läßt. Die Fahrzeugklasse Kleinwagen war schon immer das Zentrum der Marke Fiat - in der Wahrnehmung der Kunden. Fehlt hier das Fahrzeug, fehlt der Marke das Profil. Warum macht es Herr Marchionne nicht genauso wie die Koreaner? Günstige Listenpreise, gute Ausstattungspakete. Dann sind hohe Rabatte gar nicht erforderlich - siehe auch Dacia. Aber vollkommen überzogene Westeuropäische Listenpreise haben wohl was besonders anregendes - für Margennimmersatte Utopisten wie Herrn Marchionne.

  • Unglaublich. Da hat der Fiat-Konzern ein Quasi-Monopol auf dem Heimatmarkt und ist trotzdem nicht in der Lage, Geld zu verdienen.

    Woran das liegt? An den Produkten. Langweilig, unattraktiv, keine Innovationen, nichts für Autofans. Alfa Romeo und Lancia, zwei hervorragende Markennamen mit gutem Klang, verschwinden in der Bedeutungslosigkeit. Aus Chrysler-Möhren Lancias zu machen, sorry, für wie doof halten Sie die Käufer? Bei US-italienischer Zusammenarbeit denke ich an Pizza mit dickem Teig oder an die Mafia, aber nicht an gelungene Automobile.

    Jetzt die Schuld anderen zu geben, obwohl in Fiat-Autohäusern schon seit 20 Jahren die Neuwagen mit 12-25% Nachlass im Showroom stehen ist ein schlechter Witz.

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