Premierenflug des A330 neo
Der Lückenfüller am Himmel

Airbus startet in Toulouse den Premierenflug des A330 neo. Mit der Neuauflage des Langstreckenjets will das Unternehmen eine Lücke in der Modellpalette schließen - und Konkurrent Boeing zuvorkommen.
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ToulouseDrei Minuten früher als geplant hebt sich der neue Hoffnungsträger von Airbus in den grauen Himmel von Toulouse-Blagnac. Im Südwesten Frankreichs soll der überarbeitete Langstreckenjet A330 neo gebaut werden, hier startet er an diesem Donnerstag auch zu seinem Premierenflug. Der A330 neo soll für das Luftfahrtunternehmen eine Lücke in der Modellpalette schließen - und den Druck auf den Konkurrenten Boeing erhöhen.

Der Jet für rund 260 Passagiere ist für Airbus strategisch wichtig, denn er füllt die Lücke zwischen dem Mittelstreckenjet A321 für maximal  240 Passagiere und dem Großraumjet A350 mit bis zu 360 Passagieren. Die Neuauflage gilt als überfällig. Mittlerweile 20 Jahre hat die Baureihe mittlerweile auf dem Buckel. Neue effiziente Triebwerke sollen den A330 attraktiver für die Airlines machen.

Die Neuauflage, wirbt Airbus, biete Raum für zehn zusätzliche Sitze, die ruhigste Kabine seiner Klasse und verbrauche dank Leichtbau und neuer Flügel 14 Prozent weniger Kerosin als der Vorgänger. Für Fluggesellschaften, die sich im harten Kostenwettbewerb behaupten wollen, sind das gute Kaufargumente. Immer mehr Airlines gehen dazu über, auch dezentrale Strecken direkt und nicht über große Umsteige-Flughäfen zu bedienen, um Kosten zu sparen.

Der A330 neo ist die Kampfansage von Airbus an die neueste Version von Boeings 787 Dreamliner. Mit seinem um vier Prozent auf 251 Tonnen erhöhten Startgewicht könne der A330 neo auf längeren Routen eingesetzt werden, sagte der Chef der Airbus-Flugzeugsparte, Fabrice Bregier, bei der Premiere am Donnerstag.

Die Nachfrage nach Flugzeugvarianten steigt, weil die Spezifikationen an moderne Flieger deutlich stärker an die Nachfrage angepasst wird. Erzrivale Boeing arbeitet deshalb an der Entwicklung eines völlig neuen Jets für den in Fachkreisen „Middle of the market“ genannten Bereich. Damit will der US-Konzern seinerseits die Lücke zwischen dem Mittelstreckenjet Boeing 737 und dem Großraumflugzeug 787 (Dreamliner) schließen. Mit dem A330 neo will Airbus die Nase vorn haben. 150 Millionen Euro hat der Flugzeughersteller darum jährlich in die Entwicklung fließen lassen.

Dabei verlief die Weiterentwicklung - wie so häufig in der Luftfahrtbranche - nicht völlig reibungslos. Eigentlich sollte der Erstflug bereits im Frühjahr stattfinden, Ende des Jahres wollte Airbus die erste Maschine an TAP ausliefern.  Daraus wird nun nichts, TAP erwartet den ersten A330 neo erst im März kommenden Jahres. Nach Branchenberichten gab es Verzögerungen bei der Lieferung der brandneuen Treibwerke von Rolls-Royce.

Der Nachfrage hat das bislang nicht geschadet. Airbus hat 212 feste Bestellungen in den Büchern stehen, darunter namhafte Kunden wie Air Asia und Delta Airlines. Auch Billigflieger wie die isländische WOW Air haben ein Auge auf den Jet geworfen – für die Expansion des Langstreckennetzes ab dem Drehkreuz Keflavik. Die ersten Modelle sollen an die portugiesische TAP geliefert werden, die 14 der Flieger bestellt hat. Die Endfertigung der ersten A330-neo-Maschine hatte vor etwas über einem Jahr begonnen.

Zwei Varianten will Airbus für die Modellreihe anbieten. Der A330-800 soll den bisherigen A330-200 ersetzen, von dem derzeit 600 Exemplare in den weltweiten Flotten im Einsatz sind. Der A330-900, der Platz für rund 30 Passagiere mehr bietet, kommt als Ersatz für den bisherigen A330-300. Beide Varianten werden mit längeren Flügeln ausgestattet als ihre Vorgänger. Und auch Deutschland hat seinen Anteil am neuen Airbus-Modell: Die Flügel des A330 neo kommen aus in Bremen, der Rumpf aus Hamburg.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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