Premium-Marken
Autokrise: Wenn Luxus nicht mehr sticht

Die Autobranche ist in einer schweren Krise - die auch vor Premium-Marken wie Mercedes-Benz oder BMW nicht halt macht. Ganz im Gegenteil. Nicht nur die angeschlagenen US-Autobauer haben auf die falschen Autos gesetzt. Viel zu lange galt bei deutschen Autohersteller das Motto: Je größer und schneller, desto besser. Aber diese Maxime gilt nicht mehr.

DÜSSELDORF. Früher wäre dieses Duell undenkbar gewesen. Mercedes-Benz gegen Ford. Premium-Marke gegen Volumenhersteller. Der Erfinder des Automobils gegen den Erfinder der Fließbandproduktion. Früher haben sie in Stuttgart die Autos von Ford aus Köln nicht einmal mit der Nase angeschaut. Das ist wohl vorbei.

Bereits im Vorjahr die Zäsur: Ausgerechnet in der Auto-Motor-Sport, dem Fachblatt deutschen Autolebens schlechthin, besiegte ein Ford Mondeo eine Mercedes C-Klasse nach Punkten. Der Aufschrei unter Mercedes-Fans im Internet war groß. Nun nicht mehr. In der Autobild wurde nun schon wieder ein Mercedes-Benz von einem Ford versägt: Der Kompaktwagen Focus schnitt in einem Vergleichstest besser ab als eine A-Klasse von Mercedes.

Tests wie diese sind symptomatisch für ein Grundproblem aller Premiumhersteller, das letztlich für den Autoanalysten Christoph Stürmer von der Beratungsfirma Global Insight in den Fragen mündet: "Was macht eigentlich Premium aus? Und was ist an einem solchen Auto eigentlich wirklich besser?" Früher seien diese Fragen leicht zu beantworten gewesen. "Ein Mercedes-Benz hielt 25 Jahre, der Wagen eines x-beliebigen Volumenherstellers eben nicht."

Das Problem: Irgendwann galt diese Rechung nicht mehr. Also antworteten, sagt Stürmer, BMW & Co mit der Maxime: Immer ein bisschen schneller, immer ein bisschen größer, immer ein bisschen luxuriöser. Und an dieser Losung habe sich im Prinzip bis heute nichts geändert. Jahrelang galt: More of the same - und je mehr, desto besser. Also wurden die Autos größer und schneller. Und wie.

Mit Volldampf, meinen Experten wie Stürmer, rasten die Deutschen so mitten in einen Horsepower-War, einen Pferdestärken-Krieg, wie etwa das englische Automagazin Car im Mai dieses Jahres titelte - ohne zu vergessen, eindrucksvolle Leistungskurven deutscher Spitzen-PS-Werte beizufügen, die beständig nach oben gehen. Demnach rangierten die stärksten Modelle von Audi, Mercedes und BMW im Jahr 1998 noch zwischen gut 250 bis knapp über 300 PS. Nur zehn Jahre später hat Audi die 600 PS Latte locker übersprungen, bieten Mercedes und BMW Autos mit 500 PS und mehr an.

Und in der Zwischenzeit, "ist der Abstand etwa bei der Fertigungsqualität zwischen Premium- und Volumenherstellern zusammengeschrumpft", sagt Stürmer. Siehe die jüngsten Vergleichstests zwischen Ford und Mercedes-Benz. Wenn die Premium-Hersteller aus der Absatzkrise fahren wollen, müssen sie nach Ansicht Stürmers für potenzielle Kunden die Antwort klären: Warum Premium? Aber: "Auf diese Frage haben die Hersteller zurzeit noch keine Antwort gefunden."

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