Premiumhersteller
Audi sitzt BMW im Nacken

Die Aufholjagd gewinnt an Fahrt: Audi ist im Juni deutlich schneller gewachsen als die Konkurrenz - und bläst nun zum Angriff auf BMW. Doch die Münchener wollen sich nicht so leicht geschlagen geben.
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Ingolstadt/MünchenKein Premiumautobauer ist im Juni so rasant gewachsen wie Audi. 133.050 Pkw hat die VW-Tochter im Juni ausgeliefert worden - 13,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Und das obwohl die Nachfrage in Südeuropa schwächelt. Damit kommen die Ingolstädter der Krone im Premiumgeschäft immer näher. Denn die Konkurrenz wächst schwächer: Mercedes-Benz kam im Juni weltweit nur auf 121.542 verkaufte Pkw, was einem Zuwachs von 0,9 Prozent entsprach. BMW lieferte im gleichen Zeitraum 139.869 Pkw seiner Kernmarke aus, vier Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

"Trotz des spürbaren Gegenwinds in den südeuropäischen Märkten, in denen Audi besser als der Gesamtmarkt abschneidet, wächst die Marke in allen Weltregionen", verkündet Audi-Chef Rupert Stadler stolz. "Damit liegen wir klar auf Kurs, bis zum Jahresende unser Ziel von 1,4 Millionen Auslieferungen zu erreichen." Per Ende Juni verkaufte Audi rund um den Globus die Rekordzahl von 733.250 Autos, das sind 12,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In der traditionell weniger absatzstarken zweiten Jahreshälfte rechnet Audi nach den Worten von Vertriebschef Peter Schwarzenbauer mit positiven Absatzimpulsen durch die neuen Modelle Q5 und A3.

Trotz der neuen Wachstumszahlen bremst Audi-Chef Stadler die Euphorie. "Spätestens 2020" wolle Audi die Nummer Eins unter den Premiumherstellern sein, hatte er in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" angekündigt. Bislang hatte sich Audi zum Ziel gesetzt, BMW spätestens 2015 vom Oberklasse-Thron zu stoßen und diesen bis 2020 zu behalten.

Bei den Münchener ist die Kampfansage aus Ingolstadt angekommen. Konzernchef Reithofer hat die Wachstumsziele bereits im März angehoben: Schon 2016 und damit vier Jahre früher als zuvor geplant wollen die Münchner weltweit mehr als zwei Millionen Fahrzeuge der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce verkaufen. Darum will BMW bis 2015 fast eine Milliarde Euro in den Ausbau der Mini-Autowerke in England investieren.

Außerdem verhandeln die Münchner über eine zusätzliche Fertigung bei Nedcar in den Niederlanden. Mittelfristig soll es bis zu zehn verschiedene Modelle des Kleinwagens geben, teilte der Autokonzern am Montag in München mit.

Nach bisherigen Plänen wollte BMW von 2012 bis 2014 rund 500 Millionen Pfund in das Mini-Werk in Oxford, das Presswerk in Swindon und das Motorenwerk in Hams Hall investieren. „Jetzt erhöhen wir diesen Betrag nochmal um 250 Millionen Pfund bis 2015“, sagte BMW-Vorstand Harald Krüger bei einem Treffen mit dem britischen Wirtschaftsminister Vice Cable in Oxford. Das sichere 5500 Arbeitsplätze bei Mini in England.

Zur Erweiterung der Produktionskapazität prüfe BMW außerdem eine weitere Auftragsproduktion, nach dem Vorbild der Fertigung des Mini Countryman und des Mini Paceman bei Magna-Steyr im österreichischen Graz. „Darüber verhandeln wir zur Zeit mit dem Werk Nedcar in den Niederlanden“, sagte Krüger. Nedcar baut für Mitsubishi den Kleinwagen Colt. Mini hat im ersten Halbjahr 152 000 Autos verkauft, sieben Prozent mehr als vor Jahresfrist.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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