Premiumhersteller
Schuhpfleger Collonil geht neue Wege

Die Flaute im Schuhfachhandel treibt Traditionsunternehmen Collonil in neue Geschäftsfelder.

BERLIN. Fast geräuschlos arbeitet sich der Rührstab durch 40 Liter klebrig-braune Masse, der ein süßlicher Duft von Bienenwachs entsteigt. Obwohl die Farbe des zähen Breis von der beiliegenden Musterkarte für den Laien nicht mehr unterscheidbar ist, drückt der Maschinist immer wieder gelbe und rote Zusatzstoffe aus Farbkartuschen in die Brühe. „Der Kunde ist sehr kritisch“, sagt Ulrich Drechsler, Entwicklungsleiter des Berliner Lederpflegeherstellers Collonil. Für wen die Schuhwichse in „Brazil-braun“ bestimmt ist, die kaum 800 Gläser füllen wird, verrät er nicht. Viele Händler testeten den Markt mit kleinen Mengen, um anschließend über Großaufträge zu entscheiden.

Mit seinem peniblen Qualitätsmanagement hat sich der bald 100 Jahre alte Lederpflegehersteller im deutschen Fachhandel einen Marktanteil von 52 Prozent gesichert – eine komfortable Marktposition, die dem Traditionsunternehmen in den vergangenen Jahren nur wenig nutzte. Der Einbruch im Schuhhandel – seit 1992 büßte er ein Viertel seiner Umsatzerlöse ein – traf Collonil mit voller Härte. „Seit zehn Jahren gehen die Umsätze im deutschen Schuhfachhandel zurück“, berichtet Firmenchef Frank Becker, den die Eigentümerfamilie Salzenbrodt Ende der 90er Jahre ins Unternehmen holte. Damals war Collonil operativ gefährlich nahe an die Verlustgrenze gerückt.

Dabei hatte das Familienunternehmen in den Jahrzehnten zuvor einen stürmischen Aufstieg erlebt. 1909 gründeten Karl Esslen und die Brüder Paul und Walter Salzenbrodt die Firma in einer Dreizimmerwohnung. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg gelang dem Berliner Markenartikler der Durchbruch mit Ufa-Stars wie Hanni Reinwald und Marlene Dietrich, die für den Schuhputzhersteller die Werbetrommel rührten. In den fünfziger Jahren lieferte Collonil in Deutschland die erste Tube mit Schwammaufträger, in den Sechzigern folgte als Innovation die Aerosol-Spraydose.

Spätestens Mitte der neunziger Jahre aber endeten die goldenen Zeiten. Die Flaute im Schuhfachhandel und das Aus für die Berlinförderung drückten die Rendite. Wettbewerber wie Werner & Mertz ( „Erdal-Rex“) und Sara Lee („Eri“, „Kiwi“, „Tana“) bedrängten den Premiumhersteller mit Billigangeboten, die sie in die Regale von Supermärkten und Discountgeschäften räumen ließen.

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