Premiumhersteller
Wer bremst, hat Angst!

Daimler schwört die Belegschaft auf einen Sparkurs ein, BMW bremst die Erwartungen - die Krise erreicht langsam auch die deutschen Premiumhersteller. Und die wissen nicht, wie sie reagieren sollen.
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ParisBeim Dreikampf um die Premiumkrone gab es in den letzten Jahren eigentlich nur eine Frage: Wer wächst schneller? Die deutschen Hersteller Audi, BMW und Mercedes eilten von Rekord zu Rekord, während italienische und französischer Hersteller über sinkende Absatzzahlen jammerten. Nun scheint die Krise auch die Premiumhersteller erreicht zu haben.

Verbal stimmt Daimler-Chef Dieter Zetsche seine Belegschaft bereits auf schwierigere Zeiten ein. „Europa wird herausfordernd bleiben“, sagt er. Weil sich auch in China das Wachstum abschwächt, müssen die Stuttgarter ihre Sparanstrengungen verstärken. Eine Milliarde Euro will der Autobauer einsparen, war zuletzt berichtet worden. Offiziell will Daimler die Zahl nicht bestätigen.

Doch Konzern-Chef Zetsche räumt ein, dass der operative Gewinn der Autosparte 2012 unter dem Vorjahresniveau liegen werde. Bei einer Umstrukturierung könne daher kein Teil des Unternehmens ausgespart werden.

Der Ton zwischen Management und Belegschaft wird rauer. Zuletzt waren Verhandlungen über eine Produktionsumstellung im Werk Sindelfingen gescheitert. Eine externe Einigungsstelle musste angerufen werden - zum ersten Mal in 40 Jahren. Zetsche bezeichnet den Vorgang zwar als „nicht ungewöhnlich“. Gewerkschaftsvertreter sehen das anders: „Normalerweise finden wir eine Lösung am Verhandlungstisch, aber den hat das Unternehmen umgeworfen“, ließen Betriebsratskreise verlauten. „Wir empfinden das als neuen Umgangston.“

Angesichts des unsicheren ökonomischen Ausblicks wollen die Autobauer ihre Produktion so flexibel wie möglich gestalten – und ziehen so den Zorn der Belegschaften auf sich. Von einem Sparprogramm möchte bei Daimler darum auch niemand reden. Zu groß ist die Angst, dass öffentlich der Eindruck entsteht, die Stuttgarter seien die ersten, die auf die Bremse treten.

Dabei sind sie längst nicht die einzigen, die ihren Optimismus verloren haben. Auch der VW-Wachstumsmotor Porsche will die Produktion im kommenden Jahr zurückfahren. „Wenn die Märkte zurückgehen, trifft das auch die Nachfrage nach Premiumautos“, sagt Porsches Vorstandschef Matthias Müller. Dieses Jahr rechne man zwar weiterhin mit einem erfolgreichen Jahr, doch 2013 dürften die Absätze weltweit sinken, so Müllers Prognose.

Auf eine Rabattschlacht, wie sie derzeit im Volumensegment geführt wird, will sich der Porsche-Manager aber nicht einlassen. „Für uns sind Rabatte kein Weg. Wir verkaufen lieber mal ein Auto weniger, als dass wir es verramschen.“

Konkurrent BMW hält bisher noch an der positiven Umsatzprognose fest. Doch die Erwartungen sind gedämpft. „Wir sind vorsichtiger geworden“, sagt BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson. Er sehe nicht, dass sich der Markt mit dem Jahreswechsel schlagartig verbessere. Bisher profitieren die Münchener noch von den neuen 3er- und 5er-Baureihen. Doch in den ersten acht Monaten ist der Absatz in Europa insgesamt um fast drei Prozent gesunken. Ein Minus, das der Konzern global ausgleichen will. Derzeit verkauft BMW rund 15 Prozent seiner Autos in China.

Zudem soll die Produktion in Südamerika ausgebaut werden. Für mehrere hundert Millionen Euro ist eine neue Fabrik in Brasilien geplant. In Brasilien hatten die Premiumhersteller zuletzt mit einer Sondersteuer für Importautos zu kämpfen. Durch die neue Produktion erhoffen sich die Münchener bei Importen bessere Konditionen als die Konkurrenz. So will man der Krise in Europa aus dem Weg gehen.

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  • Die deutschen Autobauer schlagen sich im internationalen Wettbewerb gut und halten, trotz rückläufigem Markt bis einschließlich August noch immer ihre Stellung. Verloren und mit Überkapazitäten ausgestattet sind Ford, GM, Fiat, Renault, Peugeot, Citroen. Beim Volkswagen-Konzern steht nur Seat mit negativem Ergebnis dar. Auch wenn Daimler jetzt ein Sparprogramm auffährt werden sie am Ende des Jahres ein Rekordjahr in der Unternehmensgeschichte verzeichnen können ebenso wie BMW. International wächst nur noch die Hyundai/Kia Gruppe auch im rückläufigen Markt Europa könnte Hyundai und Kia ihren Absatz steigern. Auch Audi (Mitglied in der Volkswagen Konzern Gruppe) wird ein Rekordjahr in der Unternehmensgeschichte feiern. Ein Beispiel: per August hat die Volkswagen-Gruppe in Europa (27 Länder) ihren Absatz um mit minus 0,1 % gehalten, obwohl der Gesamtmarkt um 7,1 % gefallen ist. BMW und Mercedes liegen mit ganz kleinen Minuszahlen kurz dahinter, im Vergleich zu Renault -16,3 %oder Fiat - 17,1 % . Wer hat also Überkapazitäten? Das sieht so aus als hätten andere ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Die deutschen Automobilhersteller sind jedenfalls international gut aufgestellt und in Märkten präsent die wachsen. Fiat, Renault, Peugeot, Opel, Ford haben sich auf preiswerte Massenware spezialisiert, die jetzt, mit Eurokrise und ihren Folgen auch in den nicht betroffenen Ländern , zu kämpfen haben. Ein Teil mag auch daran liegen, dass wenn man von den Autos der Marken mit Überkapazitäten das Markenlogo entfernt und es von Verbrauchern in einer Art Quiz wieder richtig zuordnen lassen sollte, es viele Verwechslungen gäbe, auch mit asiatischen Marken. Zudem machen sich eingige Hersteller bewusst Konkurrenz. z.B. Opel und Chevrolet bei GM. Jeder der einen Chevrolet kauft sollte daran denken, dass er damit einen Opel Mitarbeiter entlässt. Chevrolet kommen aus Korea - Opel aus Europa.

  • Genau onrad so isch es. Die dt. Autobauer sitzen auf enormen Überkapazitäten. Diese müssen abgebaut werden. Die Hausaufgaben wurden schon lange nicht gemacht und nun kommt die Quittung.Mutti Merkel kommt sicherlich bald mit dem Scheck an. Aber Achtung die Eu schläft nicht. Dies ist Wettbewerbsverzerrung.

  • Na denn, mit Vollgas in die Pleite!
    Wie war der Spruch unserer Eltern noch?
    Hochmut kommt vor dem Fall.

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