Prestigerennen
BMW zieht an Mercedes vorbei

Der BMW-Konzern hat in den ersten elf Monaten dieses Jahres zum ersten Mal seit neun Jahren mehr Autos verkauft als die Mercedes-Gruppe. Bis Ende November habe man den Absatz auf 1,094 Millionen Fahrzeuge gesteigert, teilte der Münchener Autobauer gestern mit. Das sind 13 000 Fahrzeuge mehr, als der Stuttgarter Konkurrent eigenen Angaben zufolge verkauft hat.

hz/mwb FRANKFURT. Branchenexperten erwarten übereinstimmend, dass die Mercedes-Gruppe diesen Vorsprung bis Ende Dezember nicht mehr aufholen wird und BMW den Rivalen im Premiumsegment von der Spitzenposition verdrängen kann. Damit zeichnen sich ein Prestigeerfolg für den BMW-Vorstandsvorsitzenden Helmut Panke und eine große Herausforderung für den erst seit Oktober amtierenden Mercedes-Chef Eckhard Cordes ab. Panke hatte vor gut einem Jahr eine Kampfansage an Mercedes gerichtet und betont, er wolle sich nicht länger mit der Rolle des ewigen Zweiten zufrieden geben.

Allein im November konnte der Konzern seinen Autoabsatz gegenüber Oktober um 7,3 Prozent erhöhen. „Unser Ziel, in diesem Jahr auf Group-Ebene unseren Absatz im hohen einstelligen Prozentbereich zu steigern, ist mit den jetzt vorliegenden Zahlen in greifbare Nähe gerückt“, sagte BMW-Vertriebschef Michael Ganal. Zur Gruppe gehören neben der Stammmarke BMW der Kleinwagen Mini und die Luxuskarosse Rolls-Royce. BMW-Unternehmenskreise bewerten die Verdrängung der Mercedes-Gruppe von Platz eins als „Achtungserfolg“. Zu der Gruppe zählen die Kernmarke Mercedes, der Kleinwagen Smart und das Luxusmodell Maybach. Stuttgarter Firmenkreise hingegen hoffen darauf, mit der laufenden Modelloffensive im nächsten Jahr die Führung zurückzuerobern. Offiziell wollten beide Konzernzentralen den Führungswechsel auf Anfrage nicht kommentieren.

Mini bremst Smart aus

Die BMW-Autobauer verdanken ihre neue Spitzenposition beim Gruppenabsatz zwar vor allem dem Erfolg des Kleinwagens Mini. Aus Cordes’ Sicht muss es aber alarmierend sein, dass Mercedes auch im Wettrennen der Kernmarken mit BMW dramatisch an Vorsprung verliert: In den ersten elf Monaten dieses Jahres verkauften die Stuttgarter weltweit lediglich 955 000 Mercedes, das sind 50 000 weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig erhöhte der Münchener Konkurrent seinen Absatz um fast 80 000 auf jetzt schon 920 000 BMWs. Branchenexperten gehen auch mit Blick auf die im kommenden Jahr startende neue 3er-Reihe von BMW davon aus, dass Mercedes selbst bei der Kernmarke den Vorsprung nicht mehr lange wird halten können.

Nach Einschätzung von Hypo- Vereinsbank-Analyst Georg Stürzer „erntet die BMW-Gruppe jetzt die Früchte der größten Modelloffensive ihrer Geschichte“. Hatte BMW vor zehn Jahren nur drei Baureihen, sind es jetzt schon zehn, die überwiegend hoch profitabel sind. Derzeit arbeiten die Münchener an einem Van, um auch in diesem Segment den Stuttgarter Erzrivalen herauszufordern. Analysten rechnen damit, dass die BMW-Autobauer 2004 nicht nur den Absatz, sondern auch den Gewinn deutlich steigern werden, weil die Entwicklungskosten für die neuen Baureihen kaum mehr ins Gewicht fallen. 2003 erzielten die Münchener ein operatives Ergebnis von 3,2 Mrd. Euro.

Mercedes will um Spitzenplatz kämpfen

Dagegen dürften vor allem kostspielige Maßnahmen zur Qualitätssicherung und die Schwäche des Kleinwagens Smart das Ergebnis der Mercedes-Gruppe belasten. Analysten erwarten, dass Smart in diesem Jahr bis zu 500 Mill. Euro Verlust einfahren könnte. Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs fordern einen Ausstieg der Stuttgarter bei Smart, was der Konzern jedoch ausgeschlossen hat.

Aber auch die bisherige Ertragsperle Mercedes musste im dritten Quartal 2004 einen Gewinneinbruch um mehr als 60 Prozent hinnehmen. Finanzexperten gehen deshalb davon aus, dass das operative Ergebnis der Gruppe im Gesamtjahr um rund ein Drittel auf nur noch rund zwei Mrd. Euro sinken wird. Sie erwarten, dass das Ergebnis von Mercedes auch im kommenden Jahr unter Druck bleiben wird.

Angesichts des Verlustes der Führungsposition an BMW muss Mercedes-Chef Cordes die Modelloffensive der Stuttgarter mit neuen Varianten in fünf Modellreihen 2005 unbedingt zum Erfolg führen. Auf die Münchener Herausforderung wollen die Stuttgarter vor allem mit einer neuen Generation der M-Klasse und der S-Klasse reagieren. „Wir gehen davon aus, die BMW-Gruppe im kommenden Jahr beim weltweiten Absatz wieder zu überholen“, heißt es in Mercedes-Kreisen.

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