Prinovis: Bertelsmann schließt Druckerei und streicht 1000 Jobs

Prinovis
Bertelsmann schließt Druckerei und streicht 1000 Jobs

Prinovis hat die Schließung seiner Druckerei in Itzehoe im kommenden Jahr beschlossen. Dabei verlieren rund 1000 Mitarbeiter ihren Job. Das Werk wird aus Wettbewerbsgründen dichtgemacht.
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HamburgDie Krise der Druckbranche fordert ihr nächstes großes Opfer. Der Medienkonzern Bertelsmann schließt seine Druckerei im holsteinischen Itzehoe mit mehr als 1000 Beschäftigten. Damit fallen bei der Konzerntochter Prinovis - Europas größtem Tiefdruckkonzern - mehr als ein Viertel der 3800 Stellen weg. Itzehoe, wo der "Spiegel", der "Stern" sowie Kataloge für Ikea und Otto gedruckt werden, arbeite nicht mehr wirtschaftlich, teilte Prinovis am Mittwoch mit.

"Noch nie ist in Deutschland eine so große Druckerei an einem solchen Standort geschlossen worden", sagte Fachbereichsleiter Martin Dieckmann von der Gewerkschaft Verdi dem NDR. Arbeitnehmer und Management wollen nun rasch Verhandlungen über einen Interessenausgleich und eine Sozialplan aufnehmen. Der Betrieb an dem 130 Jahre alten Standort soll in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres auslaufen. Itzehoe ist eine der Wurzeln des Bertelsmann-Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr.

Auf die Aufträge dürfen sich nun die übrigen Druckereien des Konzerns Hoffnungen machen, die ebenfalls mit schwindender Auslastung kämpfen. Das Unternehmen, an dem auch Axel Springer beteiligt ist, betreibt neben Itzehoe weitere Druckereien im benachbarten Ahrensburg, in Dresden und Nürnberg sowie im britischen Liverpool. Ende 2008 schloss Prinovis bereits seine Druckerei im hessischen Darmstadt.

Prinovis erwartet durch die in der zweiten Jahreshälfte 2014 geplante Schließung nachhaltige Einsparungen von rund 20 Millionen Euro. Dem stünden Restrukturierungskosten in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe gegenüber.

In der Druckbranche tobt seit Jahren wegen Überkapazitäten ein harter Preiskampf. Angesichts der steigenden Internet-Nutzung schrumpfen die Auflagen von Zeitungen sowie Zeitschriften und Katalogen. Hochglanzmedien waren traditionell eine Domäne des aufwendigen Tiefdruckverfahrens, auf das der Betrieb in Itzehoe spezialisiert ist. Diese Rolle machen ihm zunehmend Druckereien mit dem billigeren Offset-Verfahren streitig, das in den vergangenen Jahren perfektioniert wurde.

Der Wettbewerb zwang schon einige in der Branche in die Knie. Europas zweitgrößte Druckereigruppe Schlott ging vor zwei Jahren Pleite und wurde anschließend zerschlagen. 2008 ging auch der Branchenriese Arquana zugrunde. Unter den Branchenausrüstern sieht es nicht besser aus: Der Druckmaschinenbauer Manroland wurde nach der Insolvenz ebenfalls aufgeteilt. Der Rivale Heidelberger Druck schreibt trotz einer Schrumpfkur seit Jahren Verluste.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Prinovis: Bertelsmann schließt Druckerei und streicht 1000 Jobs"

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  • i-wie habe ich das kommen sehen, ich war dort schon einmal in einem subunternehmen beschäftigt und habe dort an der maschine gearbeitet... irgendwann wurde ich dann gekündigt, kein wunder, wenn man ne riesen halle hat und dort nur noch ein einziger bogen auf ner rolle stand! das war so zwischen 2006 und 2008... mich wunderts nicht, da mittlerweile jedes pad-pod- und phone ne aktuelle version der magazine runterladen und anzeigen kann...

  • Ist doch klar das die zu teuer sind, denn schon ein Transportunternehmen da hinzuschicken war und ist ein unterfangen, da von dort fast nix abgeholt werden konnte, so ist keine Auslastung beim transport und prinovis hat sein schlechtes Image nicht zum positiven wenden können.
    Der Inhalt wird von den Redaktionen fabriziert Prinovis und andere drucken es nur wenn sie am biligsten sind.

  • Entlassungen in der Medienbranche sind zwar persoenlich eine Katastrophe aber Gesellschaftlich erwuenscht. Nieder mit der Luegen Presse. Die letzten endes nichts anderes ist als das Sprachrohr der Hochfinanz genauso wie die derzeitigen Politiker wobei ausnahmen die Regel bestaetigen

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