Private Equity
Evonik fordert Finanzinvestoren zu Angeboten auf

Der Essener Konzern will nun doch nicht bereits im Sommer an die Börse. Stattdessen strebt das Unternehmen den Verkauf eines Minderheitenanteils von bis zu 30 Prozent an. Die Interessenten haben bis Anfang April Zeit, Angebote abzugeben. Für einen Anteil von 25 Prozent werden Offerten von mindestens zwei Millarden Euro erwartet.

DÜSSELDORF. Der Essener Konzern Evonik Industries gibt wegen der anhaltenden Nervosität an den internationalen Aktienmärkten die Pläne für einen Börsengang bis zum Sommer auf. Stattdessen konzentriert sich das aus dem einstigen Bergwerkskonzern RAG (früher Ruhrkohle) hervorgegangene Unternehmen auf den Verkauf eines Minderheitsanteils von bis zu 30 Prozent an einen Finanzinvestor, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen.

Insgesamt haben elf Private-Equity-Häuser von den mit dem Verkaufsprozess beauftragten Investmentbanken Deutsche Bank und Morgan Stanley die Präsentationsunterlagen erhalten. Auf der Liste stehen Apollo, Bain Capital, BC Partners, Blackstone, Carlyle, Cerberus, CVC, KKR, Permira, Texas Pacific Group sowie One Equity Partner (OEP). Für den US-Finanzinvestor OEP ist jetzt Utz-Hellmuth Felcht, früherer Chef des zu Evonik gehörenden Spezialchemiekonzerns Degussa, tätig. Die Interessenten haben nun bis Anfang April Zeit, unverbindliche Kaufangebote abzugeben. Evonik lehnte eine Stellungnahme ab. "Jeder Finanzinvestor, der ernsthaft interessiert ist, wird in der ersten Runde ein Angebot von mehr als zwei Mrd. Euro für ein Paket von 25 Prozent abgeben", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Damit erhöhten sich die Chancen, in den Kreis der bevorzugten Bieter aufzusteigen, mit dem voraussichtlich ab Mai verbindliche Verhandlungen geführt werden sollen. Die Knackpunkte dürften der Kaufpreis, der Einfluss der Investoren auf die Strategie sowie der Liquiditätszufluss aus der Beteiligung - bei einer Minderheitsbeteiligung wohl nur die Dividende - sein. Bisher stiegen Finanzinvestoren nur dann bei Unternehmen ein, wenn sie diese mehrheitlich kontrollierten. Mangels geeigneter Übernahmeziele und der erschwerten Kreditaufnahme bei den Banken haben viele Fonds die Anlagestrategie geändert.

Den Gesamtwert von Evonik mit den Bereichen Chemie, Energie und Immobilien beziffern Analysten auf sechs bis acht Mrd. Euro. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Aktien sollen ab 2018 die Kosten für die Beseitigung der Altlasten des Steinkohlebergbaus finanziert werden. Einen Börsengang im Sommer halten Experten inzwischen für nahezu ausgeschlossen. Denn die Furcht vor der Finanzkrise und die Sorgen über eine tiefen Absturz der US-Wirtschaft lähmen das weltweite Geschäft mit Neuemissionen. Im Januar und Februar haben 61 Unternehmen ihren geplanten Börsengang abgesagt. Nach Zahlen des Datenanbieters Thomson Financial brach das Volumen von Aktienemissionen im Februar auf 16,7 Mrd. Dollar ein.

Offiziell hält der Eigentümer von Evonik, die RAG -Stiftung, daran fest, neben Verhandlungen mit Finanzinvestoren die Vorbereitung des Börsengangs voranzutreiben. Intern sind die Würfel aber längst gefallen. Vor 200 Arbeitnehmervertretern sagte Stiftungschef Wilhelm Bonse-Geuking am 6. Februar in Gelsenkirchen: "Wir haben den schwarzen Montag vor Augen, da setzten die Märkte zum Sturzflug an. Auf die zwischenzeitliche Erholung können wir nicht bauen." Hubertus Schmoldt, Chef der IG BCE und Vize- Aufsichtsratschef der RAG -Stiftung, sagte: "Wir halten den Weg über einen Investor für geeigneter."

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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