Private-Equity-Firmen zahlen viel
Mondpreise gefährden Übernahmen

Steigende Kaufpreise drohen nach einer Handelsblatt-Umfrage die bislang positive Bilanz der jüngsten Übernahmewelle zu gefährden. Der Verkauf des kanadischen Telefonkonzerns Bell Canada Enterprises (BCE) ist dafür ein weiteres Beispiel.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Die von Private-Equity-Firmen angeschobene Übernahmewelle hat mit dem BCE-Deal einen neuen Gipfel erreicht. Für 52 Mrd. kanadische Dollar (36 Mrd. Euro) übernimmt der Pensionsfonds Ontario Teachers’ zusammen mit Finanzinvestoren die größte Telefongesellschaft des Landes. Es ist der größte Private-Equity-Kauf überhaupt. Die Investoren zahlen eine Prämie von etwa 42 Prozent auf den letzten Börsenkurs von BCE vor Bekanntwerden der Übernahmepläne.

Die extrem steigenden Kaufpreise drohen nach Meinung von Experten eine bislang positive Bilanz zu gefährden. Bis vor kurzem noch haben Unternehmen ihre Ziele sorgsam ausgewählt und Preisdisziplin gewahrt. Jetzt wiederholen sich jedoch die Fehler: Prämien steigen in irrationale Höhen, und finanzielle Risiken werden unterschätzt.

„Die Transaktionen werden immer größer, die Zahl der feindlichen Attacken steigt“, sagte Professor Robert Bruner, Experte für Fusionen und Übernahmen (M&A) von der Virginia-University. In der Vergangenheit waren es häufig die großen und feindlichen Übernehmen, die später zu Misserfolgen wurden. „Hier zeigt sich die Naivität aus früheren Jahren“, betonte Bruner. Ähnlich äußerten sich auch internationale Wissenschaftler und Unternehmensberater, die vom Handelsblatt befragt wurden.

„Die Gier gibt den Ton an“, warnt David Rubenstein, Chef der Beteiligungsgesellschaft Carlyle, „wir müssen uns darauf vorbereiten, dass Deals schief gehen werden.“ Nach Berechnungen des Handelsblatts zahlten die Käufer für die 15 größten Übernahmen in diesem Jahr durchschnittlich eine Prämie von 25 Prozent auf den letzten Aktienkurs vor Bekanntwerden der Übernahmeofferten. Bayer zahlte etwa für den Berliner Pharmakonzern Schering einen Aufschlag von 33 Prozent. Der Gasehersteller Linde legte für seinen britischen Wettbewerber BOC gar ein Plus von 39 Prozent auf den Tisch.

Misst man die Übernahmepreise nicht am Börsenkurs, sondern an der Ertragskraft eines Unternehmens, zeigt sich der Preissprung deutlicher. Nach Informationen des Finanzspezialisten Thomson Financial legen die Firmenkäufer heute doppelt so viel auf den Tisch wie im Jahr 2000. „Es wird schwieriger, Preisdisziplin zu wahren“, sagt Richard Dobbs, Partner bei McKinsey.

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