Private Investoren wollen Steuerschulden des Ölkonzerns zahlen
Britisches Konsortium will Yukos retten

Die Rettung des angeschlagenen russischen Ölkonzerns Yukos hat am Donnerstag überraschend ein Großbritannien ansässiges Konsortium privater Investoren angeboten.

HB MOSKAU. Nach einem Schreiben an den russischen Präsidenten Wladimir Putin will die Gruppe die Steuerschulden des Konzerns und von Ex-Chef Michail Chodorkowski begleichen und den russischen Staat in das Yukos-Management holen. „Die finanziellen Belange sind vorbereitet, um die Schulden von Yukos zu bezahlen und falls erforderlich zugleich die materiellen Schäden, die Herrn Chodorkowski zur Last gelegt werden, zu begleichen...“, hieß es in dem Schreiben, von dem Reuters eine Kopie erhielt. Das Büro Putins lehnte eine Stellungnahme ab. Unterzeichnet war das Schreiben von Goerge Miller, dem in Chile geborenen Chef des Konzerns International Waste Management Plc. Über das Konsortium war zunächst wenig bekannt. Auch blieb unklar, wie ernst das Angebot zu nehmen ist.

Yukos hatte zuvor angesichts eingefrorener Konten und Steuerschulden seine Warnung vor einem baldigen Bankrott und erheblichen Ausfällen beim Ölexport bekräftigt. „Wir werden im wesentlichen irgendwann in der ersten Augusthälfte keine liquiden Mittel mehr haben und nicht mehr in der Lage sein, unsere Ausgaben für den Geschäftsbetrieb und unsere Verbindlichkeiten zu finanzieren“, kündigte Yukos-Chef Steven Theede an. Insgesamt muss Yukos für die Jahre 2000 und 2001 Steuern in Höhe von rund sieben Milliarden Dollar nachzahlen. Zusammen mit Nachforderungen aus den Jahren 2002 und 2003 könnten sich die Steuerschulden nach Schätzungen von Analysten auf zehn Milliarden Dollar summieren.

Der Sprecher des Konsortiums Charles Stewart-Smith lehnte es ab, sich dazu zu äußern, wie viele Investoren der Gruppe angehören und wie diese die für das Geschäft erforderlichen Gelder aufbringen wollten. „Sie haben genug Geld. Es ist ein sehr ernsthaftes Angebot“, sagte er. „Es muss viel verhandelt werden, aber die Struktur des Geschäfts sollte, wie wir glauben, sehr attraktiv für sie (Russland) sein“, erklärte Stewart-Smith. Die wichtigste Persönlichkeit in dem Konsortium sei der ehemalige Yukos-Mindesheitsaktionär Konstantin Kagalowski, der jetzt in Großbritannien lebe. Es sei wichtig zu betonen, dass keiner der Investoren russischer Staatsbürger sei.

Die Investoren böten effektiv den Kauf des Chodorkowski-Anteils an Yukos von mehr als 40 Prozent an, sagte Stewart-Smith. Sie wollten dafür jedoch nicht den Ex-Chef des Konzerns, sondern den russischen Staat bezahlen. Chodorkowski hatte vor geraumer Zeit selbst angeboten, seinen Anteil an dem Ölkonzern dem Staat zu übertragen, um Yukos zu retten. Die Offerte war jedoch von den Behörden ignoriert worden. „Wenn wir die Kontrolle über Yukos übernehmen, würden wir gern vorschlagen, dass die russische Regierung die Hälfte der Mitglieder im Direktorium (Board of Directors) von Yukos einschließlich dessen Vorsitzenden stellt“, sagte Stewart-Smith.

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