Privatisierung soll 2006 starten
Polnische Steinkohle profitiert vom Export

Nach verlustreichen Jahren hat die polnische Kohleindustrie den Sprung in die schwarzen Zahlen geschafft. Der Export polnischer Steinkohle boomt, weil die Nachfrage besonders auf den asiatischen Märkten, aber auch in der EU gestiegen ist.

WARSCHAU. Die wichtigsten Abnehmer in der EU sind Deutschland, Finnland, Großbritannien, Österreich, Tschechien und Frankreich. Allein nach Deutschland liefert Polen in diesem Jahr etwa sieben Millionen Tonnen Steinkohle, was einem Viertel der deutschen Förderung entspricht.

„Der entscheidende Grund für den finanziellen Erfolg sind die hohen Exportpreise“, sagt der Bergbauexperte der Weltbank, John Strongman. Lag der Preis für eine Tonne exportierte Steinkohle vor einem Jahr bei etwa 150 Zloty, beträgt er inzwischen 220 Zloty (umgerechnet rund 52 Euro). „Die hohe Nachfrage und die guten Preise werden noch mindestens zwei Jahre so bleiben“, sagt der Sprecher der polnischen Bergbaukammer, Janusz Olszowski. Aber auch die Preise für den inländischen Absatz sind seit dem vergangenen Jahr um gut 30 Prozent gestiegen.

Nach Verlusten von 2,2 Mrd. Zloty im vergangenen Jahr hat die Branche von Januar bis Oktober dieses Jahres einen Nettoerlös von gut 1,7 Mrd. Zloty erwirtschaftet. Allein 1,2 Mrd. entfallen auf die oberschlesische Steinkohlegesellschaft Jastrzebska Spolka Weglowa, die sich am besten auf dem Exportmarkt positioniert hat. Auch die anderen großen Gesellschaften wie die Katowicki Holding Weglowy und die Kompania Weglowa schreiben inzwischen schwarze Zahlen. Zusammen haben die Firmen, die 60 Zechen betreiben, von Januar bis Oktober 2004 knapp 82 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert, wovon fast 18 Millionen Tonnen in den Export gingen.

Kammerchef Olszowski und der Weltbankexperte Strongman führen den geschäftlichen Erfolg aber auch auf die Restrukturierung des Kohlebergbaus in den vergangenen Jahren zurück. „Polen hat sehr große Erfolge bei der Senkung der Förderkapazitäten, der Reduzierung der Beschäftigtenzahl und der Erhöhung der Produktivität erzielt“, sagt Strongman. So ging die Zahl der Beschäftigten von 400 000 auf 140 000 zurück. Weitere 20 000 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden. Trotzdem hinkt Polen gerade bei der Produktivität noch weit hinter großen Steinkohleproduzenten wie den USA, Australien und Südafrika zurück. „Wenn das Land trotzdem auf dem europäischen Markt wettbewerbsfähig ist, dann liegt das an den kurzen Transportwegen beim Export und den vergleichsweise niedrigen Löhnen“, erläutert Strongman.

Ungelöst ist weiterhin das Problem der hohen Verschuldung. Die gesamten Verbindlichkeiten der Branche insbesondere bei der staatlichen Sozialversicherung und bei privaten Gläubigern betragen gut sieben Mrd. Zloty.

Deshalb erwarten die Gesellschaften auch weiterhin finanzielle Hilfen des Staates, wie der Präsident der Kompania Weglowa, Maksymilian Klank, unlängst wieder gefordert hat. „Die Verluste der vergangenen Jahre behindern unsere Investitionstätigkeit“, sagte Klank. Wirtschaftsminister Jerzy Hausner hat grundsätzlich Unterstützung signalisiert, die Branche aber auch zur weiteren Senkung der Kosten aufgefordert. „Kostenreduzierung ist das Schlüsselproblem, außerdem müssen die Löhne dem Produktivitätszuwachs angepasst werden“, sagte der Minister

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Auch die Regierung von Premier Marek Belka weiß, dass die weitere Modernisierung der Branche vor allem von internationaler Kapitalhilfe abhängig sein wird. So diskutiert das Kabinett inzwischen verschiedene Varianten für die Privatisierung, die spätestens 2006 eingeleitet werden soll.

Der Kohlebergbau brauche strategische Investoren aus dem Ausland, fordert auch Strongman. „Der gegenwärtige Boom und die hohen Preise müssen dafür genutzt werden, weil niemand weiß, wie lange diese Entwicklung anhalten wird“, sagt der Experte der Weltbank.

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