Privatisierung soll zwei Milliarden Dollar einbringen
Kanada trennt sich von Mineralölkonzern

Der einst staatseigene kanadische Mineralölkonzern Petro-Canada soll in diesem Jahr vollkommen privatisiert werden. Die kanadische Regierung hat beschlossen, sich von ihrem 18,74-prozentigen Anteil an dem Konzern zu trennen.

gbr OTTAWA. Durch den Verkauf der mehr als 49 Mill. Aktien sollen mindestens zwei Mrd. Dollar (1,2 Mrd. Euro) in die Haushaltkasse fließen.

Finanzminister Ralph Goodale gab die Verkaufsabsichten bei Vorlage des Haushalts für 2004/2005 bekannt. Die Transaktion soll innerhalb des kommenden Haushaltsjahres abgeschlossen werden, das am 1. April beginnt. Der Erlös soll einerseits den Haushaltsüberschuss auf 4 Mrd. Dollar steigern. Zugleich fließt ein Teil der Erlöse in die Förderung von Umwelttechnologien. Unter anderem soll das Programm zur Förderung nachhaltiger Technologien um 200 Mill. $ aufgestockt werden.

Die Regierung liebäugelt seit Jahren mit dem Ausstieg Jetzt scheint der Zeitpunkt günstig. Kanadischen Medien zufolge lag der Kurs der Petro-Canada-Aktie vor fünf Jahren noch bei rund 20 Can-$. Bei Bekanntgabe der Verkaufsabsichten notierte die Aktie fast dreimal so hoch bei rund 56 $. Im Januar stand sie sogar knapp unter 70 $. Die hohen Öl- und Gaspreise hatten die Aktien hochgetrieben. Damit wäre derzeit ein Brutto-Erlös von 2,8 Mrd. $ möglich.

Petro-Canada war als Folge der Ölkrise von 1973 Mitte der 70-er Jahre von der liberalen Regierung Pierre Trudeau gegründet worden. Dadurch sollten die nationalen Interessen Kanadas bei der Energieversorgung gesichert werden. Die Ölindustrie war damals aus kanadischer Sicht unter ausländischer – vor allem US-amerikanischer – Kontrolle. Zugleich gab es erste Hinweise, dass in Kanadas Arktis riesige Öl- und Gasvorräte lagern. Petro-Canada sollte sicherstellen, dass die Ausbeutung dieser Ressourcen nicht ohne kanadische Beteiligung erfolgt, und zugleich die Öl-Versorgung der Kanadier garantieren.

Die konservative Regierung Brian Mulroney begann 1991 mit dem Verkauf von Staatsanteilen. Der größte Schnitt erfolgte aber 1995, als der liberale Finanzminister und heutige Premier Paul Martin 50 % der Staatsanteile verkaufte, um den Haushalt zu sanieren. Damit sank Kanadas Beteiligung an Petro-Canada auf rund 20 %.

Heute ist Petro-Canada einer der größten Energieproduzenten Kanadas. Das Unternehmen ist an der Erschließung von Öl- und Gasvorkommen an Kanadas Atlantikküste sowie an den Ölsandvorkommen im Norden Albertas beteiligt. Auch auf internationaler Bühne war Petro-Canada aktiv: Das Unternehmen erwarb im Januar 2002 vom deutschen Energieversorger Eon die Öl- und Gasförderung von Veba Oel. Es zahlte für die Akquisition der Explorations- und Förderaktivitäten von Veba Oel 3,2 Mrd. $.

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