Privatjet-Boom in China
Mit dem Luxusflieger bis nach New York

Chinas Superreiche und Prominente wie Schauspieler Jackie Chan entdecken den eigenen Düsenflieger als neues Luxusspielzeug – und treiben den Absatz in ungeahnte Höhe. Die Regierung bereitet bereits eine neue Steuer vor.
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PekingEin „kleiner“ Privatjet? Für Chinas Milliardäre ist das ein Widerspruch in sich. Wer sich ein Flugzeug leistet, will damit angeben. Und richtig angeben kann man nur mit etwas Großem. „Dazu kommt die Neigung reicher Chinesen, mit zahlreicher Gefolgschaft zu reisen“, sagt Jeffrey Lowe, Chef des Luftfahrtdienstleisters Asian Sky. Als Folge wählen die Luxuskäufer im Reich der Mitte eher die Oberklassemodelle ab 30 Millionen Dollar.
Damit wurde China nicht nur zum vielversprechendsten, sondern von den Größenklassen her auch zu einem der lukrativsten Märkte für Individualflugzeuge.

In dem ursprünglich kommunistischen Land waren Privatjets vor zehn Jahren noch unbekannt und vor fünf Jahren praktisch nicht existent. Im vergangenen Jahr erreichte der Absatz bereits knapp 400 Stück. Und es werden in diesem Jahr schnell mehr: Das Wachstum soll bei 23 Prozent liegen, prognostiziert die Londoner Firma Ledbury Research.

Der chinesische Luxusboom erreicht damit auch das ultimative Statussymbol. Während Präsident Xi Jinping in seinen Reden auf „sozialistische Kernwerte“ wie Bescheidenheit und eine einfache Lebensweise pocht, gönnen sich immer mehr seiner Landsleute den totalen Luxus.

Nur drei Kilometer von Xi Jinpings Regierungssitz entfernt lässt sich das Absatzwunder in Aktion betrachten. An der Xindong-Straße im Pekinger Stadtteil Chaoyang hat im vergangenen Jahr ein Verkaufsraum des brasilianischen Flugzeugherstellers Embraer aufgemacht. Trotz der Millionenbeträge selbst für ein Einstiegsmodell kommt immer wieder Laufkundschaft in den Laden. Er befindet sich in diesem Häuserblock in guter Gesellschaft: Nebenan präsentieren Lamborghini und Rolls Royce ihre Luxuskarossen.

Eine freundliche Verkäuferin begrüßt die Kunden: „Sehen Sie sich doch gleich unser Ausstellungsflugzeug an!“ Mitten im Raum steht der abgeschnittene Rumpf eines schlanken Jets, den interessierte Kunden erst betreten dürfen, wenn sie Bodenschoner über ihre Schuhe gezogen haben. Denn innen ist alles vom Feinsten: samtweiche Teppiche, kostbare Holzausstattung, cremefarbene Ledersitze, reichlich Abstellfläche für Longdrinks.

Im Cockpit leuchten Kartendaten auf Flachbildschirmen. Acht Passagiere können mit der Legacy 500 über 5000 Kilometer weit fliegen. „Mit 20 Millionen US-Dollar ist es nicht einmal teuer!“, preist die Verkäuferin das Produkt an.

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